Der Hersteller von Notstromaggregaten, Generac, hat mit Amazon eine langfristige Liefervereinbarung im Wert von bis zu 8 Milliarden US-Dollar über sieben Jahre abgeschlossen, was den Aktienkurs von Generac vorbörslich zeitweise um über 30% steigen ließ – der größte Tagesanstieg seit Beginn der Bloomberg-Daten im Jahr 2010.
Gemäß dem Vertrag wird Generac Notstromgeneratoren an Amazons Rechenzentren liefern und Amazon Optionsscheine ausstellen, die es ermöglichen, bis zu 1,69 Millionen Generac-Aktien zum Preis von 200,93 US-Dollar pro Aktie zu erwerben. Die erste Lieferung im Rahmen des Vertrags soll zwischen 2027 und 2028 erfolgen, mit einem Volumen von etwa 2,4 Milliarden US-Dollar und durchschnittlich rund 1,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dies bietet Generac eine klare Nachfrageunterstützung für die zuvor vorangetriebene Kapazitätserweiterung.
Noch wichtiger ist, dass dieses Geschäft Generac eng mit dem Expansionszyklus von Amazons Rechenzentren verbindet. Der Markt kann nun beobachten, wie die Stromnachfrage durch KI-Investitionen zunehmend von GPU, Servern und anderen Rechenhardware-Komponenten auf Generatoren, Stromnetze, Speicherlösungen und weitere externe Strominfrastruktur ausstrahlt.

Das entscheidende Element dieser Vereinbarung ist nicht nur der potenzielle Auftrag im Wert von 8 Milliarden US-Dollar, sondern auch die begleitende Optionsscheinregelung, die ein langfristiges partnerschaftliches Signal aussendet.
Entsprechend den Vertragsbedingungen werden die von Amazon erhaltenen Optionsscheine schrittweise in Abhängigkeit vom kumulierten Einkaufsvolumen freigeschaltet. Nur wenn die Gesamtbestellungen von Amazons Dieselgeneratoren 8 Milliarden US-Dollar erreichen, erhält Amazon sämtliche Optionsscheine. Bei Vertragsunterzeichnung werden etwa 18% der Optionsscheine sofort zugewiesen.
Praneeth Satish, Analyst bei Wells Fargo, weist darauf hin, dass dieses Arrangement bedeutet, dass die Zusammenarbeit zwischen Amazon und Generac nicht auf die erste Lieferung von 2,4 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2027 bis 2028 beschränkt ist, sondern auf einen längeren Lieferzyklus abzielt und den beiden Unternehmen eine klare strategische Bindung bietet.
Für Generac sorgt die Festlegung der Auftragsgröße und des Lieferzyklus für eine klarere Nachfragebasis bei der Kapazitätserweiterung. Der Markt hatte zuvor Bedenken hinsichtlich der Frage, ob Generac genügend Aufträge für die Kapazitätserweiterung gewinnen könnte, aber Amazons hohe, langfristige Einkaufszusagen steigern die Sichtbarkeit zukünftiger Einnahmen direkt.
Wall-Street-Analysten gehen allgemein davon aus, dass dieses Abkommen nicht nur zusätzliche Einnahmen bedeutet, sondern auch die Gewinnerwartungen und die Bewertungslogik von Generac verändern könnte.
Brian Drab, Industriesektor-Analyst bei William Blair, bezeichnet das siebenjährige Abkommen als „bedeutenden Erfolg“ für Generac und schätzt, dass es das EBITDA des Unternehmens im Jahr 2028 um mehr als 20% steigern wird. In einem Umfeld, in dem Investoren weiterhin Sorgen hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Rechenzentrumsausgaben haben, erhöht dieser langfristige Vertrag die Sichtbarkeit der künftigen Ergebnisse des Unternehmens und mindert das Risiko einer Kapazitätsausweitung.
Vor der Veröffentlichung des Vertrags lag der Generac-Aktienkurs bei etwa 175 US-Dollar. Praneeth Satish hatte zuvor eingeschätzt, dass allein die jährlichen Einnahmen von etwa 1 Milliarde US-Dollar aus Verträgen mit dem ersten großen Rechenzentrum und Hosting-Kunden einen angemessenen Wert von etwa 185 US-Dollar pro Aktie rechtfertigen würden, was bedeutet, dass der Markt damals praktisch keine weiteren Rechenzentrumsaufträge einpreiste.
Brian Drab fügte hinzu, dass der Generac-Aktienkurs vor Vertragsunterzeichnung etwa dem 10-fachen EBITDA von 2027 entsprach, während das EBITDA-Wachstum des Unternehmens in den kommenden Jahren voraussichtlich über 20% liegen wird. Mit der Umsetzung des Amazon-Auftrags könnte der Markt nicht nur die Gewinnerwartungen anheben, sondern auch die Sicherheit zukünftiger Gewinne und die Bewertungsniveaus neu bewerten.
Der Vertrag zwischen Generac und Amazon erweitert die Investitionslogik für Rechenzentren von „Rechenleistung“ weiter auf „Stromversorgung“.
Mit dem beschleunigten Bau von Rechenzentren wird die Stromversorgung zu einer wichtigen Voraussetzung für die Bereitstellung neuer Rechenleistungen. Notstromgeneratoren sind zwar externe Geräte für Rechenzentren, ihre Nachfrage ist jedoch unmittelbar mit dem Umfang des Rechenzentrumsbaus und den Anforderungen an Zuverlässigkeit der Stromversorgung verbunden. Dass Generac langfristige Aufträge von großen Technologiekonzernen erhält, signalisiert, dass Investitionen in KI-Infrastrukturen auch die Lieferketten für Stromgeräte ausweiten.
Rob Bittencourt, Leiter für globale Themeninvestitionen bei Apollo, hat zuvor betont, dass der Prozess der Reindustrialisierung in den USA bereits „gestartet“ sei und künftig Investitionen in Höhe von mehreren Billionen US-Dollar erforderlich sind, wobei ein wesentlicher Teil in rechenleistungsbezogene Bereiche fließen soll. Die langfristigen Amazon-Aufträge für Generac zeigen, dass diese Investitionsrunde nicht nur Chip-, Server- und Rechenzentrum-Betreiber begünstigt, sondern zunehmend auch Hersteller von Generatoren, Stromnetzen und anderer Strominfrastruktur.