GermanFinanceNews hat erfahren, dass laut drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen die Tochtergesellschaft Solidigm des südkoreanischen Speicherchip-Giganten SK Hynix (SKHY.US) erwägt, eine NAND-Flash-Speicherchip-Fabrik in den USA zu errichten, wobei die Region im Norden des Staates New York als Hauptstandort in Betracht gezogen wird. Dieser Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der die Trump-Regierung koreanische Chip-Hersteller weiterhin drängt, ihre Produktion in den USA auszubauen, während die enormen Investitionen in AI-Datenzentren die globale Versorgung mit Speicherchips zunehmend unter Druck setzen.
Laut Insidern hat das geplante Projekt nichts mit den Gesprächen zwischen SK Hynix und Intel zu tun, die die Herstellung von Speicherchips in Intels Fabrik in Ohio betreffen.
SK Hynix erklärte, dass seine US-Tochtergesellschaft Solidigm verschiedene Optionen prüft, um die Wettbewerbskraft des Unternehmens zu stärken; bislang gebe es jedoch keinen konkreten Plan.
Der Bau einer Fabrik in den USA könnte die Abhängigkeit vom Werk in Dalian reduzieren und Zölle sowie Exportbeschränkungen umgehen
Eine Fabrik in den USA würde Solidigm dabei helfen, weniger auf seine einzige NAND-Produktionsstätte im chinesischen Dalian angewiesen zu sein und zugleich potenzielle US-Zölle und Einschränkungen beim Export von Chipequipment zu umgehen.
Die Nachricht von dieser Expansion kommt zu einer Zeit, in der chinesische Konkurrenten ihre Produktionskapazitäten schnell erhöhen, um den technologischen Rückstand zu ausländischen Wettbewerbern zu verkleinern.
Allerdings erinnerte eine Quelle daran, dass zu Solidigms Investition in den USA noch kein Abschluss erzielt wurde und die wichtigsten Projektdetails weiterhin diskutiert werden. SK Hynix könnte vorsichtig vorgehen, denn die Chipherstellung in den USA ist teurer als in Südkorea und Washington sowie Seoul verhandeln nach wie vor über Handels- und Investitionsfragen.
Angesichts dieser Entwicklungen stieg der SK Hynix-Aktienkurs am Markt in Seoul um 6,4 %; der Referenzindex KOSPI legte um 2,7 % zu.
Die Haltung der koreanischen Seite ist sensibel; politischer Widerstand bei NAND geringer als bei DRAM
Als zu den US-Forderungen der Fabrikerrichtung befragt, erklärte der koreanische Präsident Lee Jae-myung, Seoul werde "die nationalen Interessen Koreas schützen und gleichzeitig die Ansichten der Unternehmen respektieren". Er sagte am Freitag: „Das bleibt eine umstrittene Frage“, blieb aber ohne weitere Details.
Eine Quelle meinte, dass SK Hynix durch die Herstellung von NAND-Chips über seine US-Tochtergesellschaft wohl weniger politischem Widerstand ausgesetzt sei, da diese Technologie im Gegensatz zu fortgeschrittenen DRAM-Produkten wie High Bandwidth Memory (HBM) keine strategische Sensitivität besitzt.
Die koreanische Regierung hat SK Hynix und Konkurrent Samsung dazu aufgefordert, die Pläne für einen neuen Halbleiter-Cluster im Südwesten Koreas zu beschleunigen – mit potenziellen Investitionen von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Berichten zufolge könnten Einwände seitens Seoul die Ambitionen von SK Hynix, im Intel-Werk HBM oder sogar traditionelle DRAM-Speicherchips zu produzieren, erschweren.
Howard Lutnick, US-Handelsminister, drohte mit Zöllen von bis zu 100 %, sofern koreanische und taiwanesische Unternehmen sich nicht verpflichten, ihre Produktion in den USA auszubauen.
Koreanische Chiphersteller werden von Washington und Seoul gleichzeitig unter Druck gesetzt; beide Seiten verhandeln über das Versprechen Koreas aus dem letzten Jahr, Investitionen von 350 Milliarden Dollar in den USA zu tätigen, im Gegenzug für geringere US-Zölle.
Zur Erklärung: DRAM liefert Arbeitsspeicher für Prozessoren, während NAND Daten in Smartphones, Computern und Datenzentren speichert.
Solidigm schreibt seit Jahren Verluste, US-Börsennotierung rückt ins Rampenlicht
Seit SK Hynix 2020 Solidigm für 9 Milliarden Dollar von Intel übernommen hat, schreibt das Geschäft angesichts der langanhaltenden Schwäche des NAND-Marktes Verluste.
Eine Expansion in den USA könnte SK Hynix dabei helfen, den Abstand zu Samsung im Marktanteil zu verringern und dem Konkurrenzdruck aus China besser zu begegnen, aber wie sich die Nachfrage bis zur Inbetriebnahme einer neuen Fabrik entwickelt, bleibt unklar. Die Erweiterung der Halbleiterkapazitäten dauert üblicherweise mehrere Jahre; Sorgen über ein verlangsamtes Wachstum bei fortschrittlichen AI-Modellen trüben die langfristige Aussichten für den Speicherchipmarkt.
Medien berichteten im vergangenen Monat, dass SK Hynix eine Pre-IPO-Finanzierung von Solidigm in Höhe von 5 bis 10 Billionen koreanischer Won plant. Solidigm habe bereits mit der Einstellung von Führungskräften begonnen, die für SEC-Anmeldungen und externe Finanzberichterstattung zuständig sind – ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Börsengang an der Nasdaq erwartet wird. SK Hynix erklärte daraufhin, dass Solidigm Möglichkeiten zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit prüft, jedoch noch keine Entscheidung getroffen wurde.
Ein erfolgreicher Börsengang von Solidigm an der Nasdaq würde bedeuten, dass SK Hynix sein US-Kapitalengagement weiter ausbaut. Der südkoreanische Speicherchip-Gigant hat im Juli dieses Jahres 177,9 Millionen American Depositary Receipts (ADR) zu jeweils 149 Dollar ausgegeben und damit 26,5 Milliarden Dollar eingesammelt – ein Rekord für ausländische Unternehmen bei einem US-IPO.