20:30, 22:00, eine „lehrbuchmäßige“ Rettungsaktion
Quelle: Wall Street Intelligence Circle
Die gestrige Nacht war keineswegs eine spontane gewöhnliche Umkehr, sondern ein Superlehrbuch des „Trump’schen Erwartungsmanagements“.
Gestern Nacht erlebten die globalen Märkte eine „V-förmige“ Umkehr, hinter der jedoch eine Rettungsaktion auf höchstem Niveau stand.
Noch vor der Eröffnung der US-Börsen war die Lage alles andere als optimistisch: Zu diesem Zeitpunkt fielen die US-Futures, der S&P 500-Future machte die Zuwächse der gesamten Woche zunichte; der Goldpreis fiel im Tagesverlauf um 100 US-Dollar; die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg erneut über die Warnmarke von 4,5 %; auch der Ölpreis erholte sich deutlich.
Gerade als ein weiterer Abverkauf drohte, kam um 20:30 Uhr die erste Wende: Der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator wurde veröffentlicht – ein ambivalentes Ergebnis. Monatlich betrachtet schien sich das Tempo zu verlangsamen, im Jahresvergleich jedoch erschreckend: Die Inflation stieg auf 3,3 %, den höchsten Stand seit Ende letzten Jahres (vor einem Jahr hätte das die Märkte deutlich einbrechen lassen). Doch der Markt entschied sich dafür, den guten Nachrichten zu glauben: Nach der Veröffentlichung stieg der Goldpreis, und auch der S&P 500-Future machte den Großteil der vorherigen Verluste wieder wett. In Trumps zweiter Amtszeit wirkten sich entscheidende Datenveröffentlichungen stets positiv auf die Märkte aus – so auch dieses Mal.
Die zweite Wende erfolgte um 22:00 Uhr Pekinger Zeit: Axios berichtete, dass US- und iranische Unterhändler sich auf ein 60-tägiges Memorandum of Understanding geeinigt hätten, das jedoch von Trump noch nicht endgültig genehmigt wurde. Gold und US-Aktien drehten prompt ins Plus, während Öl und die Anleiherenditen nachgaben.
Das Endergebnis im Schlusskurs: US-Rohöl fiel unter 90 US-Dollar, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unter 4,45 %, der S&P sowie der Nasdaq erreichten neue Allzeithochs – noch am Vortag wurde gekämpft, am nächsten Tag entwickelt sich der Markt erneut in Trumps Wunschrichtung.
Die erste Wende geschah eine Stunde vor Börsenbeginn in den USA: Ambivalente Daten, doch der Markt entschied sich nur für die guten Nachrichten – das Muskelgedächtnis „günstige Nachrichten zu suchen“ ist längst trainiert.
Die zweite Wende kam eine halbe Stunde nach Börseneröffnung: Obwohl die guten Nachrichten später dementiert wurden (die iranische Nachrichtenagentur Tasnim erklärte, der Text des Memorandums sei noch nicht endgültig ausgehandelt oder bestätigt), stiegen die Märkte dennoch. Früher hätten die Märkte bei „Falschnachrichten“ entsprechend scharf reagiert.
Trumps Einfluss auf die Märkte ist mittlerweile so fein abgestimmt, dass er jede einzelne Bewegung hinsichtlich ihrer Auswirkung auf den Markt abwägt – er ist immer auf die „nächste gute Nachricht“ vorbereitet, denn er versteht die Wall Street nur zu gut. Auch ohne tatsächlichen Fortschritt schafft es eine Serie von detailreichen Gerüchten, das Risiko bereits vor dem „emotionalen Wendepunkt“ zu eliminieren. Man muss sich fragen, ob hier nicht eine spezielle „Crash-Schutzgruppe“ am Werk ist.
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