Ungewöhnliche Transaktionen im Zusammenhang mit dem Iran-Kriegs-Prognosemarkt summieren sich auf 45 Millionen US-Dollar! Konto mit nur 2 Stunden Registrierung setzte über eine Million US-Dollar präzise ein
Während auf Prognosemärkten Milliarden an Wetten bezüglich eines Iran-Krieges platziert werden, sorgen eine Reihe von ungewöhnlich präzise getimten Einsätzen für starke Besorgnis bei Aufsichtsbehörden und Politikern.
Eine Analyse von Bloomberg News offenbart, dass On-Chain-Wettverträge bei Polymarket rund um die Veröffentlichung bedeutender politischer Ankündigungen lukrative, auffällige Transaktionen gezeigt haben. Das Risiko von Insiderhandel entwickelt sich damit zu einer systemischen Sorge für aufstrebende Prognose-Plattformen.
Das jüngste Beispiel ereignete sich wenige Tage vor Bekanntwerden eines Friedensabkommens zwischen den USA und Iran. Ein Polymarket Wallet, das erst zwei Stunden vor der ersten Transaktion erstellt wurde, kaufte massiv "Yes"-Kontrakte und erhielt nach der öffentlichen Bekanntgabe des Abkommens rund 1,5 Millionen US-Dollar an Gewinnauszahlung – ein Nettogewinn von etwa 370.000 US-Dollar. Zum Zeitpunkt einer dieser Positionseröffnungen lag die Marktmeinung zur Wahrscheinlichkeit eines Friedensvertrags zwischen den USA und dem Iran bei lediglich 6%.
Die Bloomberg-Analyse zeigt, dass sich die auffälligen Einsätze rund um den Iran-Konflikt auf Polymarket kumuliert auf 45 Millionen US-Dollar summieren – geopolitische Ereignisse sind damit die größte Quelle verdächtiger Transaktionen auf der Plattform.
Auffällige Einsätze zum US-Iran-Friedensabkommen
Das betreffende Wallet begann am 2. Juni mit dem Aufbau seiner Position, als die Marktquote für „USA und Iran schließen bis zum 15. Juni 2026 ein dauerhaftes Friedensabkommen“ nur bei 14% lag. Der letzte Kauf erfolgte am 13. Juni, und innerhalb von sechs Stunden nach der Ankündigung des pakistanischen Premierministers am 14. Juni um 17:22 Uhr stieg die Quote von 12% auf über 80%. Nach drei Tagen Debatte wurde der Kontrakt als „Yes“ gewertet, das Wallet erzielte ca. 370.000 US-Dollar Nettogewinn.

Diese Wette könnte lediglich eine ausgesprochen kluge Transaktion gewesen sein. Doch die Zeitspanne zwischen Kontoerstellung und erster Transaktion betrug nur zwei Stunden – ein Muster, das laut Analysten typisch für informationsgetriebene Trades ist.
Kollektive Einsätze kurz vor Ausbruch eines US-Iran-Krieges
Frühere auffällige Trades sorgten ebenso für Aufsehen.
Mehrere Wallets kauften im Kontrakt „Wird das US-Militär den Iran bis zum 28. Februar angreifen?“ kurz vor Bekanntwerden des ersten US-Luftangriffs in wenigen Minuten bei extrem niedrigen Quoten ein, nur wenige Stunden, nachdem der Angriff gemeldet wurde.
Einige dieser Wallets wurden sogar nur wenige Stunden oder Tage vor der Wette erstellt. Diese acht Wallets erzielten innerhalb von wenigen Stunden zusammen über 520.000 US-Dollar Gewinn.
Forscher betonen, dass sich nicht zweifelsfrei feststellen lässt, ob diese Transaktionen auf nicht-öffentlichen Informationen beruhen. Die Konten weisen jedoch statistische Merkmale mit hoher Korrelation zu wissensbasiertem Handeln auf:
Sehr junges Wallet (0 bis 1 Tag alt), Einstieg bei sehr niedrigen Quoten (etwa 12 bis 36 Cent), der Einsatz pro Trade übersteigt den Durchschnitt deutlich (ca. 40.000 US-Dollar statt 40 US-Dollar bei normalen Nutzern) und der Nettogewinn ist signifikant überdurchschnittlich.
Prognosemärkte als neue Herausforderung für Regulierungsbehörden
Solche Kontroversen sind nicht neu. Noch vor dem Iran-Konflikt sorgten präzise Wetten am Vorabend der Aussetzung gegenseitiger Zölle von Trump im April 2025 für Aufmerksamkeit; ein US-Armee-Soldat wurde zudem beschuldigt, auf den Rücktritt des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Maduro aufgrund von Insiderinformationen gewettet zu haben – mit dem Vorwurf, geheime Daten genutzt zu haben.
Das Weiße Haus hat bereits seine Mitarbeiter davor gewarnt, geheime Informationen für Wetten zu nutzen, und der US-Senat untersagt Abgeordneten und Mitarbeitern die Teilnahme an Prognosemärkten.
Die grundlegenden Unterschiede zwischen Prognosemärkten und regulierten Terminmärkten erschweren die Aufsicht weiter. Polymarket-Nutzer handeln anonym über Blockchain-Wallets – ohne Verbindung zu Brokerkonten, was die Ermittlung der wahren Identität verdächtiger Händler komplexer macht.
Derweil erreichte die geopolitische Kategorie der Plattform in diesem Jahr bereits ein Wettvolumen von rund 5 Milliarden US-Dollar; allein im April gab es mit mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar einen neuen Monatsrekord.
Plattform verstärkt Maßnahmen, aber Herausforderungen bleiben bestehen
Angesichts wachsender Kritik hat Polymarket nach eigenen Angaben dieses Jahr die Regeln verschärft: Die Nutzung gestohlener oder illegaler geheimer Informationen für Trades ist nun ausdrücklich verboten. Das Unternehmen arbeitet mit mehreren Institutionen zusammen, um Handelsmuster zu erkennen, die auf Insiderwissen hindeuten, und kooperiert zudem bereits mit Strafverfolgungsbehörden.
Laut Firmenvertreter wurden bislang fast 100 Wallets an die Behörden weitergeleitet – darunter Fälle, die zur ersten und zweiten Verurteilung wegen Insiderhandels auf Prognosemärkten in den USA führten.
Trotzdem bestehen erhebliche Lücken, da Umgehungsmöglichkeiten bleiben. Händler können ihre Positionen auf mehrere neue Wallets aufteilen; Analysten fällt es dadurch schwer, ein vollständiges Bild ihrer Gesamtpositionen zu gewinnen. Große Einsätze lösen zudem häufiger Warnungen bei statistischen Modellen aus.
Da immer mehr Kapital in geopolitische Prognosemärkte fließt und diese zunehmend mit politischen Entscheidungen verwoben sind, bleibt die Frage, wie man gekonnte Markteinschätzungen von Missbrauch privilegierter Informationen trennt, eine der größten Herausforderungen für die Regulierungsbehörden.
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