Die hohe Inflation begünstigt "Discount-Supermärkte"! Aldi boomt, das Wachstum seines Marktanteils in den USA ist vergleichbar mit Walmart und Costco.
Die anhaltende Lebensmittelinflation verändert die Einzelhandelslandschaft in den USA grundlegend, wobei der deutsche Discounter Aldi als Hauptnutznießer dieser strukturellen Anpassung hervorgeht.
Laut Financial Times beschleunigt dieser private Discounter-Riese seine Expansion mit einer Geschwindigkeit von einer neuen Filiale alle paar Tage und eröffnet diese Woche ein neues Geschäft in der 42. Straße in Manhattan. Daten von Morgan Stanley zeigen, dass Aldi mit seinem Marktwachstum in den USA inzwischen mit führenden Einzelhändlern wie Walmart, Sam’s Club und Costco mithält. Scott Patton, Chief Commercial Officer von Aldi USA, erklärt: „Wir setzen uns keine Obergrenze – unser Ziel ist es, Marktanteile aus allen Vertriebskanälen für Lebensmittel zu gewinnen.“
Gestützt auf einen Investitionsplan von neun Milliarden US-Dollar treibt Aldi seine Expansion in den USA mit voller Kraft voran: Bis 2028 sollen 3200 Filialen eröffnen und perspektivisch sind etwa 4000 Standorte angepeilt. Mit der zu erwartenden Zahl an Filialen in den kommenden Monaten könnte Aldi Kroger (nach Walmart zweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler der USA) überholen und so den US-Lebensmittelhandel noch stärker prägen.
Expansionsschub: Filialanzahl zielt auf Kroger
Aldi betreibt in den USA bereits 2671 Filialen und beschleunigt die Expansion mit dem Rhythmus eines neuen Geschäfts alle paar Tage. Als nächste Kernregionen werden Colorado, Arizona und Florida genannt – allein in Colorado sollen 50 Filialen dazukommen.
Dan Gavin, Vice President Real Estate national bei Aldi, sagt: „Wir sehen in den USA locker über 4000 Möglichkeiten, Filialen zu eröffnen – vielleicht sogar noch mehr.“
Laut Schätzungen von Morgan Stanley erzielte Aldi im vergangenen Jahr in den USA einen Umsatz von etwa 30 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar weniger als die Hälfte des Ketten-Umsatzes von Albertsons, jedoch erreicht Aldi ein zweistelliges Wachstum in einem ansonsten stagnierenden Lebensmittelmarkt. Daten der Beratung Kearney zeigen zudem, dass Aldi derzeit nur 4 % der gesamten Lebensmittelausgaben in den USA ausmacht und damit noch erhebliches Wachstumspotenzial hat.
Effizienzrevolution als Basis niedriger Preise
Die Kernkompetenz von Aldi liegt in seinem hoch effizienten Betriebsmodell. Pro Filiale arbeiten meist nur etwa sechs Angestellte, die Waren werden in ganzen Kartons eingeräumt, Einkaufswagen gibt es nur gegen Münzeinwurf mit Pfandrückgabe. Die so eingesparten Kosten schlagen direkt auf die Preise durch – zum Beispiel kostet Makkaroni nur 59 Cent, Kekse 2,19 US-Dollar, davon sind fast 90 % Eigenmarken, die meist günstiger als nationale Marken sind.
Als privates Unternehmen kann Aldi langfristig agieren und dem Ausbau von Marktanteilen Vorrang vor kurzfristigen Gewinnen geben. Diese Strategie war bereits in Europa erfolgreich: Nach dem Markteintritt in Großbritannien im Jahr 1990 erlebte Aldi nach der Finanzkrise 2008 ein massives Wachstum und hält dort mittlerweile 10,8 % Marktanteil im Lebensmittelhandel.
Adam Ifshin, CEO des Shopping-Center-Betreibers DLC Management, vergleicht das Aldi-Konzept mit dem Sparsamkeitsprinzip von Walmart-Gründer Sam Walton und sagt, Aldi „habe das Wesentliche von Walmart zurück nach Deutschland gebracht und weiterentwickelt“.
Eigenmarken im Fokus – Streit um Urheberrechte, „One-Stop-Shop“-Problem
Die Eigenmarkenstrategie von Aldi sorgt allerdings auch für juristischen Ärger. Lebensmittel-Riese Mondelez International hat Klage eingereicht und behauptet, Aldi habe mit Verpackungen Produkte wie Oreo oder Wheat Thins „offen kopiert“. Aldi entgegnet, Mondelez habe Bedenken jahrelang nur intern geäußert, aber nicht gehandelt – und somit stillschweigend zugestimmt. Aldi bringt derzeit neue Verpackungsdesigns auf den Markt und sucht laut jüngster Gerichtserklärung eine Einigung mit Mondelez.
Analysten sehen die Zukunft von Aldi in den USA jedoch vorsichtig: Es wird bezweifelt, dass das europäische Erfolgsmodell dort eins zu eins übertragbar ist. Mirko Warschun, Senior Partner bei Kearney, betont, dass US-Konsumenten viel stärker Wert auf One-Stop-Shopping und Sortimentsvielfalt legen, was entscheidende Grenzen für weitere Markterfolge von Aldi setzen könnte.
Scott Patton, Chief Commercial Officer von Aldi USA, gesteht die Limitierung deutlich ein: „Wir werden kein One-Stop-Shop werden. Bei uns bekommen Kunden 80 bis 90 % der Waren, den Rest holen sie sich woanders.“ Diese realistische Einschätzung unterstreicht, wie klar Aldi beim US-Marktausbau die Eigenheiten des amerikanischen Handels einplant.
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