Sturz um 30% – Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg? Drei Signale für einen Boden beim Goldpreis
Zu Jahresbeginn erreichte Gold noch ein Allzeithoch, verlor aber innerhalb weniger Monate fast 30 %.
Rückblickend auf das Jahr 2025 zählte Gold dank der „Entdollarisierung“-Erzählung und dem Kaufrausch der Zentralbanken zu den besten Vermögenswerten weltweit. Im Jahr 2026 kletterte der Goldpreis im Januar sogar auf den historischen Höchststand von 5.600 USD/Unze. Doch danach drehte sich das Blatt abrupt: Bis Anfang Juni rutschte der COMEX-Goldpreis auf ein Minimum von 4.023 USD und hat damit die Jahresgewinne vollständig abgegeben.
Was hat dieses „Goldbeben“ ausgelöst? Ist der Goldpreis bereits auf dem Tiefpunkt? Wankt der Glaube an Gold am Markt?
Mit Blick auf die für Anleger besonders wichtigen Fragen sprach die 21st Century Wirtschaftsbericht besonders mit Fang Yutao, Metallanalyst bei Everbright Securities, der die Gründe für den aktuellen Goldpreisabsturz sowie den Marktausblick vertieft erläutert.
Im Gespräch brachte Fang Yutao klar zum Ausdruck,
Fang Yutao analysierte weiter, dass der rapide Preisverfall beim Gold das Ergebnis eines „Staffellaufs“ mehrerer negativer Faktoren sei: von Liquiditätsverkäufen über Zentralbankverkäufe und steigende Inflationserwartungen bis zum daraus folgenden Aufschwung der Zinserhöhungserwartungen – eine Kette von Ereignissen drückte den Goldpreis von 5.600 USD auf etwa 4.000 USD. Er weist aber auch darauf hin,
Zu den jüngsten Zweifeln am „sicheren Hafen“-Charakter von Gold äußerte Fang Yutao,
Warum ist Gold „ins Taumeln geraten“?
Anschließend verzeichnete Gold mehrere negative Phasen: Zunächst führten Liquiditätsverkäufe durch den USA-Iran-Konflikt zu massivem Goldverkauf – Gold wird in Krisen oftmals als liquidester Vermögenswert vorrangig abgestoßen. Darauf folgten Verkäufe von Goldreserven durch Zentralbanken etwa in der Türkei und Russland, um die Wechselkurse zu stabilisieren. Im April explodierten die Ölpreise und erhöhten die Inflationserwartungen, wodurch die Zinssenkungslogik endgültig ausgesetzt wurde. Im Mai überraschten dann die US-Arbeitsmarktdaten auf breiter Linie – zudem wurden die Vormonatszahlen nach oben revidiert, was die Zinserhöhungserwartungen wieder anheizte und den Goldpreis weiter unter Druck setzte.
Somit handelt es sich in dieser Korrektur um ein Zusammentreffen verschiedener negativer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
Das Hauptproblem in dieser Runde: Die Nachfrageseite ist vielschichtiger geworden. Früher stützten Zentralbanken und private Haushalte durch ihre Anlage- und Absicherungsnachfrage den Goldpreis. Seit 2025 sind jedoch massive Kapitalzuflüsse aus Investment-Fonds zu verzeichnen, bei denen Gold nicht nur als Absicherung dient. Ein Beispiel: Der kombinierte „AI+Gold“-Trend – falls KI scheitert, fungiert Gold als Stütze. Obwohl das nach Absicherung klingt, fließt hier jedoch enormes „Nicht-Absicherungs“-Kapital in den Goldsektor. Bei zu viel Kapital wird Gold faktisch zum Risikoasset.
Damit hat sich Gold zunehmend von der traditionellen Rolle als sicherer Hafen entfernt – doch es bleibt ein solcher. Ausschlaggebend sind jedoch kurzzeitig geänderte Kapitalströme. Die grundlegende Logik dahinter blieb aber unberührt.
Unter dem Druck von Zinserhöhungserwartungen – wie viel Raum bleibt für einen weiteren Goldpreisrückgang?
Seit Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts 2022 haben Zentralbanken weltweit ihre Bestände in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils um über 1.000 Tonnen ausgebaut – doppelt so viel wie in früheren Jahren. Das war der Haupttreiber des Gold-Bullruns. Seit 2025 ist das Kaufvolumen der Zentralbanken bei etwa 800 Tonnen stabil, wirkt aber weiterhin als wichtige Unterstützung.
Andererseits erreichten die Zuflüsse in Gold-ETFs 2025 plötzlich ebenfalls 800 Tonnen, während sie 2024 nahezu bei Null lagen. Dadurch ist dieser Faktor wieder zum maßgeblichen Preistreiber geworden.
Derzeit sehen wir: Die Zentralbanken stocken weiter auf und stützen so den Goldpreis, gleichzeitig erleben Gold-ETFs kontinuierliche Abflüsse – ein klassisches Muster: „Die Zentralbank kauft, der Privatanleger verkauft.“ Nach unserer Einschätzung
Das zweite große Thema ist die Inflation. Der aktuelle Inflationsdruck ist vor allem auf die gestiegenen Ölpreise zurückzuführen, also vorwiegend temporäre Faktoren. Sollten geopolitische Konflikte vollständig gelöst werden, dürfte der Ölpreis auf 60–80 USD/Fass zurückfallen – das würde den Inflationsdruck deutlich mindern.
Zudem deuten Arbeiten von Fed-Ökonomen darauf hin, dass die Fed künftig die Gewichtung kurzfristiger Einflüsse im CPI anpassen dürfte und langfristig sinkende Inflation anstrebt. Die Politik der Notenbank ist deshalb derzeit keineswegs zwangsläufig auf Zinserhöhungen festgelegt.
Bezogen auf den Goldpreis:
Ist jetzt Zeit für Gier? 4.000–4.200 USD/Unze als Bodenbildungszone
Zweitens: Vom Preisniveau bei rund 4.000 USD/Unze sind die negativen Effekte durch Ölpreis und Zinsen voll eingepreist. Ab jetzt ist vor allem mit marginaler Verbesserung zu rechnen, während eine weitere Verschlechterung sehr unwahrscheinlich ist.
Drittens: Als der Goldpreis vergangenen Mittwoch stark gefallen ist, haben Goldminenaktien bereits aufgehört zu fallen. Das zeigt, dass Aktienmärkte hier einen Boden erkennen und frühzeitig umschichten. Selbst wenn nach dem jüngsten Rebound auf 4.300 USD/Unze noch ein Rücksetzer erfolgt, wird das Ausmaß überschaubar bleiben – der Bereich von 4.000–4.200 USD/Unze ist im Grunde der Boden.
Für den klassischen Privatanleger ist es schwer, marginale Veränderungen zu erkennen. Die sicherste Methode ist daher:
Redaktion: Cao Ruitong
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