Gold fällt innerhalb eines Tages um über 100 Dollar – steht die 4.000-Dollar-Marke kurz bevor?
Am Dienstag standen die Preise für Gold und Silber deutlich unter Druck. Bis zum Redaktionsschluss fiel der Goldpreis im Tagesverlauf um mehr als 2 % und rutschte unter die Marke von 4100 US-Dollar je Unze; Silber verlor zeitweise mehr als 5 %. Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar hat Gold insgesamt mehr als 20 % verloren, Silber sogar über 30 %.
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, wies darauf hin, dass der Rückgang des Ölpreises Gold zeitweise unterstützt habe, dieser Effekt jedoch durch die Entwicklung des US-Dollars aufgehoben wurde. Er erklärte: „Der Rückgang des Ölpreises in dieser Woche verschaffte dem Gold etwas Luft, aber der US-Dollar hat diesen Effekt nicht bestätigt – angesichts der Erwartungen einer Zinserhöhung durch die Fed legt der Dollar weiterhin zu.“
Der US-Dollar bleibt aktuell weiterhin nahe dem fast einjährigen Hoch, das er Ende letzter Woche markiert hatte, wodurch sich die Kosten für Nicht-Dollar-Investoren beim Goldkauf erhöhen.
Der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, erklärte zuvor, dass er angesichts des weiterhin robusten Arbeitsmarkts aufmerksam beobachte, ob die hohe Inflation anhalte oder infolge eines nachlassenden Tarifeinflusses und einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten zurückgehe. Er äußerte klar: „Wir stehen weiterhin vor einem Inflationsproblem, das deutlich über dem Zielwert liegt und sich in die falsche Richtung bewegt.“
Friedensfortschritte und Zinserwartungen beeinflussen den Markt
Fortschritte in den Beziehungen zwischen den USA und Iran beeinflussen derzeit die Markstimmung. Nach dem ersten Treffen im Rahmen eines vorläufigen Friedensabkommens haben die USA ab Montag eine 60-tägige Sanktionsaussetzung gegenüber Iran gewährt. Offiziellen Angaben zufolge zeigen sich im Zusammenhang mit Vereinbarungen zur Beendigung feindlicher Handlungen in der Region in Libanon bereits anhaltend beruhigende Entwicklungen.
US-Vizepräsident Vance sagte, dass Gespräche in der Schweiz das Fundament für ein endgültiges Abkommen gelegt hätten, Iran wies jedoch zurück, bereits Verhandlungen über sein Atomprogramm aufgenommen zu haben.
Gleichzeitig wird die Geldpolitik der Fed zunehmend restriktiv eingeschätzt. Die Haltung des neuen Vorsitzenden Walsh belastet den Markt und schwächte den Aufwind durch das vorläufige Friedensabkommen. Seit der letzten Zinsentscheidung hat der US-Dollar inzwischen über 1 % zugelegt und dämpft so die in Dollar notierten Goldpreise weiter.
Laut dem Fed-Watch-Tool der CME erwarten Händler aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 % eine Zinserhöhung im Dezember, gegenüber 61 % vor der Fed-Sitzung in der Vorwoche, was die deutlich gestiegenen Erwartungen einer Straffung widerspiegelt.
Institute senken Erwartungen, Markt wartet auf wichtige Daten
Michael Hsueh, Research Analyst bei der Deutschen Bank, wies in einem Bericht darauf hin, dass die Neubewertung der Fed-Politik in Verbindung mit starken US-Konjunkturdaten die Hauptgründe für die Schwäche des Goldpreises sind.
Er sagte: „Die neue Bewertung der Fed-Politik sowie die robuste Entwicklung der US-Konjunkturdaten sind ausschlaggebende Faktoren für den Preisrückgang bei Gold.“ Die Bank hat ihre Goldpreisprognose für das dritte Quartal auf 4300 US-Dollar pro Unze gesenkt, das ist mehr als ein Fünftel weniger als bislang veranschlagt. Für die letzten drei Monate des Jahres wird ein Preis von 4800 US-Dollar erwartet.
Ähnliche Anpassungen gab es auch bei Goldman Sachs. Das Institut senkte vergangene Woche seine Goldpreisprognose zum Jahresende um 500 US-Dollar auf 4900 US-Dollar je Unze, da man davon ausgeht, dass die Fed dieses Jahr keine Zinssenkung vornimmt.
Im Fokus des Marktes steht diese Woche der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten zum privaten Konsum (PCE), einem der wichtigsten von der Fed berücksichtigten Indikatoren, die wichtige Signale für den weiteren geldpolitischen Kurs liefern könnten.
Ahmad Assiri, Analyst bei Pepperstone Group Ltd., meint: „Ich halte es für wahrscheinlich, dass sich der Goldpreis im Bereich zwischen 4000 und 4300 US-Dollar je Unze bewegen wird“, bis neue Daten vorliegen, „die entweder die geldpolitischen Aussichten neu definieren oder die Tendenz zu einer restriktiven Politik bestätigen.“
Auch Rhona O’Connell, Analyseleiterin bei der StoneX Group, merkte in einem Bericht an: „Die Gold- und Silbermärkte sind weiterhin äußeren Faktoren unterworfen und derzeit nicht geneigt, ihre Positionen zu ändern. Zwar gibt es bei den Kapitalflüssen einige positive Ansätze, aber das technische Bild beider Metalle bleibt wenig optimistisch.“
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Die optimistischste Einschätzung europäischer Aktien seit acht Jahren: Analysten prognostizieren bis Jahresende ein neues Allzeithoch.
Die Strategen sind so optimistisch gegenüber den europäischen Aktienmärkten wie seit acht Jahren nicht mehr.
Technologieaktien erholen sich stark, Nasdaq-Futures steigen um 0,7 %, der Yen steht unter Druck und Brent-Öl fällt im Tagesverlauf um 2 %.
Der optimistische Geschäftsausblick von Nvidia treibt den weiteren Anstieg der Chip-Aktien, die Nasdaq 100-Futures steigen um 0,7 %, die S&P 500-Futures steigen um 0,4 %. Der US-Dollar legt gegenüber dem japanischen Yen im Tagesverlauf um 1 % zu und notiert bei 157,53. Der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, erklärte, es sei schwierig zu beurteilen, ob das Finanzumfeld zu locker sei. Brent-Rohöl fällt im Tagesverlauf um 2,0 % und notiert bei 97,92 USD pro Barrel. Am Freitag sorgt zudem der „dreifache Hexensabbat“ für zusätzliche Marktstörungen.
Detaillierte Analyse des Arbitragehandels: Warum verliert der Yen an Attraktivität?
