Der südkoreanische Aktienmarkt bricht erneut wegen „Falschmeldungen“ ein: Die Nationale Rentenversicherung wird Berichten zufolge neu gewichtet und könnte inländische Aktien im Wert von bis zu 74 Billionen Won abstoßen.
Die koreanische Nationale Rentenversicherung (NPS) wird voraussichtlich die Rebalancierung ihres Inlandsaktienportfolios wieder aufnehmen, was am Markt neue Sorgen hinsichtlich der Kapitalflüsse an der koreanischen Börse hervorruft.
Laut der The Korea Herald vom 30. Juni hat sich aufgrund des jüngsten starken Anstiegs des KOSPI der Anteil koreanischer Aktien im Portfolio der Nationalen Rentenversicherung deutlich über das Jahresziel hinaus erhöht. Mehrere Broker gehen davon aus, dass der Fonds ab Juli schrittweise südkoreanische Aktien verkaufen wird – im pessimistischen Szenario könnten die Verkäufe bis zu 74,4 Billionen Won (ca. 48 Milliarden USD) betragen.
Als Folge dieser Nachrichten eröffnete der KOSPI am Mittwoch mit einem Plus von 1,4 %, stürzte dann jedoch rasch ab, fiel im Handelsverlauf zeitweise um 4 % und schloss letztlich mit einem Minus von über 2 %.

Daraufhin sahen sich die Behörden zu einer raschen Klarstellung gezwungen. Der Präsident der Nationalen Rentenversicherung, Kim Sung-joo, veröffentlichte am 1. Juli einen Artikel mit dem Titel „Die Wahrheit über das Rebalancing der Nationalen Rentenversicherung und die angebliche 74 Billionen Won-Verkaufswelle“, in dem er die angeblich bevorstehende „74,4 Billionen Won-Verkaufswelle“ als „haltlose Behauptung“ bezeichnete und betonte, dass die Nationale Rentenversicherung als öffentliche Pensionskasse eine schrittweise Rebalancierungsstrategie anwenden und etwaige Marktbelastungen durch Beschränkungen bei monatlichen sowie täglichen Anpassungen minimieren werde.
Es war jedoch nicht nur diese „kleine Story“, die den koreanischen Aktienmarkt belastete. Die Wallstreet CN berichtete, dass in den letzten Tagen im Internet auch das Gerücht kursierte, Seoul habe Samsung Electronics und SK Hynix aufgefordert, einen von der Regierung geführten Think Tank zum Thema Gewinnbeteiligung zu gründen. Auch dieses Gerücht wurde von offizieller Seite schnell dementiert.
Analysten betonen, dass das Rebalancing durch die Nationale Rentenversicherung an sich ein routinemäßiger Bestandteil der Asset Allocation ist, aufgrund ihres verwalteten Vermögens von mehr als 1,2 Billionen US-Dollar – sie ist der weltweit drittgrößte Pensionsfonds – aber jede ihrer Handelsaktivitäten mit besonderer Aufmerksamkeit durch den Markt verfolgt wird. In einem Umfeld, in dem die Bewertungen koreanischer Aktien bereits sehr hoch sind und die Marktstimmung recht fragil ist, steht die Entwicklung der Kapitalflüsse besonders im Fokus der Investoren.
Koreanische Aktien steigen zu schnell, NPS-Depot überschreitet zulässigen Rahmen
Gemäß den aktuellen Asset Allocation-Richtlinien der Nationalen Rentenversicherung beträgt das Zielgewicht für südkoreanische Aktien im Jahr 2026 20,8 %, mit einer zulässigen Bandbreite von ±8 Prozentpunkten – das heißt, das Maximum liegt bei 28,8 %.
Allerdings wird allgemein geschätzt, dass der Anteil südkoreanischer Aktien im NPS-Portfolio infolge des starken Kursanstiegs bei etwa 30 % liegt und damit deutlich über der zulässigen Obergrenze.
Die Nationale Rentenversicherung setzt ein diszipliniertes Rebalancing-System ein: Wenn das Gewicht einer Vermögensklasse vom Zielbereich abweicht, werden überschüssige Werte verkauft und untergewichtete Positionen aufgestockt, um das strategische Zielportfolio einzuhalten und das Gesamtrisiko zu steuern.
Um kurzfristige Markteffekte zu vermeiden, hatte NPS das Rebalancing zunächst auf Ende Juni verschoben. Mit Beginn des Juli wird nun eine neue Runde an Portfolioanpassungen erwartet.
Bis zu 74,4 Billionen Won Verkauf möglich, Schätzungen der Institute gehen weit auseinander
Da die Nationale Rentenversicherung keine Details zum Ausführungsplan veröffentlicht hat, differieren die Einschätzungen der Institute zu Umfang der möglichen Verkäufe erheblich.
Laut Shinyoung Securities: Sollte der KOSPI wieder auf 9.000 Punkte steigen, könnte NPS maximal südkoreanische Aktien im Wert von 74,4 Billionen Won verkaufen; bleibt der Index bei rund 8.500 Punkten, wäre mit Verkäufen zwischen 14,7 und 51,2 Billionen Won zu rechnen.
Daishin Securities schätzt, um das Zielgewicht bei inländischen Aktien wiederherzustellen, müsste NPS Aktien im Wert von etwa 20 bis 57 Billionen Won abstoßen.
Obwohl am Markt immer wieder von einer „74 Billionen Won-Verkaufswelle“ gesprochen wird, gehen die meisten Analysten davon aus, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Verkäufe auf einmal und in konzentrierter Form stattfinden. Shinyoung Securities-Analyst Cho Yong-gu erwartet, dass NPS das Volumen für das jährliche, monatliche und tägliche Rebalancing weiter reduzieren wird, die Verkäufe also über einen längeren Zeitraum streckt, und kündigt an, dass das jährliche Zielgewicht für inländische Aktien künftig auch angehoben werden könnte.
Koreanische Nationale Rentenversicherung dementiert Gerüchte über „74 Billionen Won Verkaufsdruck“ und will marktstabilisierend in Phasen vorgehen
Angesichts der sich weiter zuspitzenden Sorgen am Markt hat NPS-Vorsitzender Kim Sung-joo öffentlich betont, NPS werde als öffentliche Pensionskasse nicht wie ein auf Gewinnmaximierung ausgelegter Private-Equity-Fonds in großem Stil verkaufen, sondern die Marktstabilität in den Vordergrund stellen.
Laut der koreanischen Maeil Business Newspaper erklärte Kim Sung-joo, dass die angebliche „74 Billionen Won Verkaufswelle“ eine Überinterpretation des Marktes sei.
Zugleich berichteten südkoreanische Medien, dass NPS die Rebalancing-Regeln angepasst hat, um die Auswirkungen auf den Markt durch Verringerung des monatlichen und täglichen Anpassungsspielraums zu begrenzen. Demnach liegt das maximale Rebalancing pro Monat nun bei 0,25 Prozentpunkten, auch gibt es eine Obergrenze für tägliche Verkäufe, um das Risiko konzentrierter Veräußerungen weiter zu minimieren.
Am Markt wird allgemein erwartet, dass die anstehende Rebalancierung eher über mehrere Monate oder sogar noch längere Zeiträume in Phasen erfolgen wird als in Form eines einmaligen, massiven Verkaufsdrucks.
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