Technische Warnsignale! Goldpreis stürzt im Q2 um 14 % ab – erstes „Todeskreuz” signalisiert weiteren Rückgang
Im zweiten Quartal dieses Jahres fiel der Spot-Goldpreis um etwa 14 % und verzeichnete damit den größten Quartalsverlust seit 2013. Das zu Jahresbeginn auf ein Rekordhoch von 5.400 US-Dollar gestiegene Gold kämpft jetzt wiederholt an der 4.000-Dollar-Marke. Hinzu kommt ein technisches „Death Cross“-Muster, das weiteren Abwärtsdruck auf den Goldpreis und die Möglichkeit stärkerer Verluste signalisiert.
Die Analyse von Renaissance Macro Research zeigt, dass Gold in diesem Zyklus erstmals ein Death Cross markiert hat. Damit bestätigt sich die von der Institution im vierten Quartal letzten Jahres ausgegebene Blasenwarnung.
Das sogenannte Death Cross ist ein bärisches technisches Signal, das entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnittskurs eines Assets unter den längerfristigen Durchschnitt (hier den 200-Tage-Durchschnitt) fällt. Das Signal zeigt an, dass der kurzfristige Verkaufsdruck zunimmt und eine anhaltende Abwärtsbewegung bevorstehen könnte.
Renaissance Macro Research kommentiert: „Das sind die schlechtesten drei Monate seit über zehn Jahren.“
Zu den Gründen für den Preisverfall zählen: die restriktiven Signale des Fed-Vorsitzenden Walsh, ein anhaltend starker US-Dollar-Index und fortlaufende Mittelabflüsse aus Gold-ETFs.
Renaissance Macro Research äußert klipp und klar: „Die Sachlage ist einfach: Gold als zinsloses sicherer Hafen Investment bringt derzeit keinerlei Vorteile.“
Edelmetalle haben gerade eine enttäuschende Bilanz für das zweite Quartal vorgelegt: Gold verzeichnete das schlechteste Quartalsergebnis seit dem zweiten Quartal 2013, Silber den größten Quartalsverlust seit dem ersten Quartal 2020. Hauptgründe hierfür sind der starke US-Dollar und die Markterwartung, dass die Fed in den kommenden Monaten die Zinsen anheben wird.
Der an der New York Commodities Exchange (COMEX) für Juli gehandelte Goldkontrakt fiel im zweiten Quartal um 13,4 % auf 4.022,90 US-Dollar je Unze; der Großteil des Rückgangs ereignete sich im Juni mit einem Monatsverlust von 11,8 % – dem größten seit Juni 2013.
Der für Juli gehandelte Silberkontrakt fiel im zweiten Quartal um 20,4 % auf 59,477 US-Dollar je Unze; im Juni lag das Minus bei 21,34 %, dem größten Monatsverlust seit September 2011.
Anfang dieses Jahres erreichte der Goldpreis dank eines schwachen Dollars, der Käufe der Zentralbanken und des starken Interesses von Privatanlegern ein Allzeithoch, ist seitdem aber um rund 25 % gefallen und liegt nun etwas über 4.000 US-Dollar je Unze.
Analysten der Mitsubishi UFJ Financial Group sagen: „Da die Energiepreise nachgeben, der Dollar stark bleibt und die Erwartung dauerhaft hoher Zinsen die Nachfrage nach zinslosen sicheren Häfen weiterhin dämpft, könnte Gold kurzfristig weiter unter Druck stehen.“
Ole Hansen, Leiter Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, meint: „Der Goldpreis muss zunächst die Marke von 4.100 US-Dollar überwinden, bevor man vernünftigerweise von einer Bodenbildung sprechen kann.“
Ipek Ozkardeskaya, Senior Analystin bei Swissquote, sieht die 4.000-Dollar-Marke als „wichtige Unterstützungszone“ für Gold. Falls der Goldpreis nicht zumindest wieder auf 4.115 US-Dollar je Unze steigt, bleibe er anfällig für weitere Verkäufe. Sie betont jedoch, dass Gold für langfristige Anleger weiterhin attraktiv bleibt.
Ozkardeskaya sagt: „Im vergangenen Quartal haben viele Zentralbanken Teile ihrer Goldreserven verkauft, um auf die explodierenden Energiepreise zu reagieren. Letztlich müssen sie diese Reserven wieder auffüllen. Die Frage ist: Zu welchem Preis?“
Suki Cooper, globale Leiterin Rohstoffforschung bei Standard Chartered, ist der Ansicht, dass der jüngste Preisrückgang bei Edelmetallen eher „Liquidität und Gewinnmitnahmen“ widerspiegelt als eine „Veränderung der Story“. Wenn Investoren kurzfristig Bargeld benötigen, verkaufen sie liquide und gut laufende Assets – Eigenschaften, die Gold und Silber nach ihren historischen Anstiegen erfüllen.
Cooper betont, dass der kurzfristige Verkaufsdruck nicht zwangsläufig das langfristige Potenzial von Gold untergräbt. Zentralbanknachfrage, Sorgen um Staatsverschuldung, Unsicherheit bezüglich Fiat-Währungen und Diversifikationswünsche im Portfolio blieben – ihr zufolge – der Schlüssel für eine Rückkehr des Goldpreises über 4.500 US-Dollar.
Aktuell wichtige Signale sind: Kaufen die Zentralbanken weiterhin Gold, verbessert sich die indische Nachfrage nach der saisonalen Schwäche, kann sich der Goldpreis um 4.000 US-Dollar halten und wie entwickeln sich die Zinsen. Insgesamt bleiben die strukturellen Unterstützungsfaktoren für Gold stabil, kurzfristig bleibt der Kurs aber unklar.
Zum Zeitpunkt dieses Berichts notiert Spot-Gold 0,66 % höher bei 4.058,09 US-Dollar je Unze. Zuvor hatte Fed-Vorsitzender Walsh auf dem Forum der Europäischen Zentralbank in Portugal zurückhaltendere Töne angeschlagen als erwartet und damit Ängste über die nächsten Schritte der Fed auf den Märkten gemildert.
Verantwortlicher Redakteur: Zhu Henan
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