Meta verkauft KI-Rechenleistung: Aufgabe oder Durchbruch? Die Wall Street ist gespalten
Meta prüft den Plan, ungenutzte Rechenleistung zu verkaufen, was an der Wall Street zu völlig unterschiedlichen Interpretationen geführt hat. Handelt es sich hierbei um ein pragmatisches Zurückrudern einer ambitionierten KI-Strategie nach Rückschlägen – oder um einen strategischen Durchbruch, mit dem gigantische Investitionen in Infrastruktur in neue Einnahmequellen umgewandelt werden?
Berichten zufolge plant Meta, seine ungenutzten Rechenressourcen extern zu verkaufen. Nach Bekanntwerden dieser Nachricht stieg der Meta-Aktienkurs am Mittwoch um 9 % und verzeichnete damit den besten Tagesanstieg seit über einem Jahr – ein seltener Schub für eine Aktie, die dieses Jahr ohnehin unter Druck stand. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Dieser Schritt ist für Investoren von großer Bedeutung. Für das zweite Quartal erwartet Meta einen negativen freien Cashflow von über 1 Milliarde US-Dollar; laut FactSet wird dieser Wert in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich weiter sinken. Sollte der externe Verkauf von Rechenleistung erfolgreich umgesetzt werden, könnte dies die Cashflow-Situation des Unternehmens unmittelbar verbessern und zumindest teilweise eine Rendite auf die jährlichen Investitionsausgaben in Höhe von 145 Milliarden US-Dollar bieten.
Pessimisten: Internes KI-Geschäft wächst langsamer als erwartet
Gil Luria von D.A. Davidson sieht dies mit Vorsicht. Er meint, das Angebot von Meta, Rechenleistung zu verkaufen, sei ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen das „Rennen um fortschrittliche KI“ aufgibt. Seit der Gründung der Meta Superintelligence Labs im letzten Jahr habe Meta zwar das neue Muse Spark-Modell eingeführt, bleibe in Sachen Modellkompetenz aber hinter Anthropic und OpenAI zurück.
Auch Colin Sebastian von Baird warnt. Er weist darauf hin, dass Mark Zuckerberg zuvor angedeutet hatte, man würde nur dann Rechenleistung extern anbieten, wenn Meta ein „Übermaß“ an KI-Infrastruktur aufgebaut habe. Sollte Meta also tatsächlich eine Cloud-Service-Plattform starten, könnte das bedeuten, dass die interne Skalierung der KI-Produkte nicht wie geplant voranschreitet. Sebastian räumt zugleich ein, dass der Aufbau einer Cloud-Plattform angesichts der kontinuierlichen KI-Investitionen von Meta ein „rationaler“ Schritt sei – immerhin verkauft Meta, anders als Amazon oder Alphabet, traditionell keine Rechenressourcen an Dritte, was die Profitabilität und Skaleneffekte begrenzt.
Andrew Graham, Gründer von Jackson Square Capital, schlägt in dieselbe Richtung. Gegenüber MarketWatch erklärte er, der Verkauf ungenutzter Rechenleistung durch Meta „helfe, die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur zu monetarisieren und unterstütze eine positive Prognose für den freien Cashflow – der bislang für die nächsten Jahre erwartungsgemäß stark ins Minus rutschen würde“.
Optimisten: Ungenutzte Kapazitäten monetarisieren, weitere Investitionen ermöglichen
Brent Thill von Jefferies kommt dagegen zu einer ganz anderen Einschätzung. In seinem Bericht am Mittwoch stellte er klar, dass Kritiker, welche den Verkauf von Rechenleistung als Zeichen von „Überkapazität“ werten, die Sachlage „auf den Kopf stellen“, da die Nachfrage auf dem Markt nach wie vor größer als das Angebot sei.
Laut Jefferies-Branchendaten, auf die sich Thill bezieht, liegt die aktuelle Auslastung von Metas Infrastruktur intern bei etwa 65 % – damit gibt es noch 35 % ungenutzte Kapazitäten. Werden diese Ressourcen verkauft, erhöht dies direkt die Gesamtauslastung, verbessert die Rendite auf die Investitionen und stärkt die Liquidität. Das wiederum verschafft Spielraum für weitere Investitionen und ist kein Anzeichen für Rückzug. Mark Zuckerberg hatte auf einer Gewinnkonferenz im vergangenen Jahr bereits angedeutet, Meta könnte überzählige Rechenleistung mit einer „gewissen Prämie“ vermieten.
Thill fasst zusammen, dass Meta „sich keineswegs aus dem KI-Wettlauf zurückzieht, sondern aggressive Frühphasen-Investitionen in eine strategische Option wandelt, die Mehrwert schafft“.
Neuer Wettbewerber bringt Bewegung in den Cloud-Computing-Markt
Ganz gleich, wie die Wall Street Metas Motivation interpretiert – diese potenzielle Erweiterung bedeutet einen direkten Angriff auf die bestehenden Anbieter von Cloud-Lösungen. Nach dem Bloomberg-Bericht fielen die Aktien von Cloud-Providern wie CoreWeave und Nebius, was die Sorge widerspiegelt, dass neue Wettbewerber bestehende Marktanteile schmälern könnten.
Metas nächste Schritte werden maßgeblich darüber entscheiden, ob es sich bei dieser Entwicklung um einen „Angriffs- oder Rückzugsschritt“ handelt. Für Anleger bleibt wichtig: Kann das Unternehmen seine Infrastruktur-Kostenstelle erfolgreich in eine Einnahmequelle verwandeln und gleichzeitig seine führende Wettbewerbsposition im KI-Bereich beibehalten?
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