Die gemeinsame Arbeit von Ethereum L1 und Base an einem einheitlichen Account-Abstraction-Standard ist in der vergangenen Woche gescheitert. Die beiden Vorschläge EIP-8130 und EIP-8141, auch als Frame Transactions bekannt, werden nun getrennt weiterverfolgt, statt in einem gemeinsamen Rahmenwerk zusammengeführt zu werden.
Beide Netzwerke wollen weiterhin gaslose Transaktionen und Passkey-Wallets ermöglichen. Die unterschiedlichen technischen Prioritäten der beiden Seiten könnten die Standardisierung und Nutzerfreundlichkeit von Smart-Contract-Wallets im Ethereum-Ökosystem jedoch verzögern.
Ethereum L1 und Base verfolgen bei Account Abstraction getrennte Standards
Die Nachricht kommt für Beobachter der Ethereum-Entwicklerszene nicht völlig überraschend, markiert aber einen klaren Bruch in einem Prozess, der über Wochen lief. Statt einer gemeinsamen technischen Grundlage für Account Abstraction existieren nun zwei parallele Wege, die jeweils eigene Kompromisse und Zielsetzungen abbilden.
Für Nutzer bleiben die versprochenen Funktionen – gaslose Transaktionen, Passkey-Anmeldung, gebündelte Transaktionen – grundsätzlich erreichbar. Die Frage ist jedoch, wie viel zusätzliche Integrationsarbeit Wallet-Anbieter und Anwendungsentwickler künftig leisten müssen, um beide Standards zu unterstützen.
Warum die Standardisierungsgespräche gescheitert sind
Ethereum L1 priorisiert bei der Weiterentwicklung seiner Basisschicht Zensurresistenz, Datenschutz und langfristige Sicherheit. Base hingegen legt den Schwerpunkt auf Skalierbarkeit, Konfigurierbarkeit und Compliance-Anforderungen, die für kommerzielle Anwendungen und Unternehmenspartner relevant sind.
Laut der Primärquelle prüften die beteiligten Entwickler mehrere technische Pfade, um beide Anforderungsprofile zu vereinen. Jede identifizierte Option hätte jedoch verlangt, dass eine Seite zentrale Ziele ihrer eigenen Roadmap abschwächt – ein Kompromiss, den weder Ethereum L1 noch Base akzeptieren wollte.
Der Ethlabs-Forscher Derek Chiang bestätigte das Ende der Zusammenarbeit öffentlich auf X und erklärte, dass Base und Ethereum künftig unterschiedliche Standards umsetzen werden. Die Aufspaltung verschiebt damit einen Teil der Verantwortung auf Wallet-Anbieter, die die technischen Unterschiede möglichst unsichtbar für die Nutzer gestalten müssen. Frühere gemeinsame Grundlagen wie EOA-Konten und EIP-1559-Transaktionen hatten Wallets über Ethereum und Layer-2-Netzwerke wie MetaMask hinweg lange Zeit konsistent funktionieren lassen – ein Zustand, den Account Abstraction nun herausfordert.
Technische Hintergründe der beiden Ansätze
Die Divergenz ist mehr als eine reine Governance-Frage. Ethereum L1 favorisiert Transaktionsformate, die auf die Aggregation postquantensicherer Signaturen ausgelegt sind, und verbindet diesen Ansatz mit bestehenden Standards wie ERC-4337, EIP-7701 und dem neuen EIP-8141 Frame Transactions-Vorschlag.
Base benötigt dagegen eine technische Grundlage, die deutlich höhere Verarbeitungsskalen bewältigt und klar zwischen erlaubten und eingeschränkten Transaktionen trennt. Diese Anforderungen prägten Base-orientierte Standards wie Tempo Transactions und den neu vorgeschlagenen EIP-8130. Beide Seiten teilen weiterhin überlappende Ziele – die konkreten technischen Wege dorthin unterscheiden sich nun jedoch erheblich.
Was die Trennung für Wallets und Nutzer bedeutet
In der Praxis müssen Wallet-Entwickler künftig unterschiedliche native Transaktionsformate und Standards zwischen Ethereum L1 und Base überbrücken. Chiang skizzierte laut der Primärquelle zwei mögliche Wege nach vorn: Entweder wird ein breiterer Koordinationsprozess geschaffen, der Layer-2-Netzwerke stärker in gemeinsame Infrastrukturentscheidungen einbezieht, oder die Fragmentierung wird möglicherweise akzeptiert, während Wallets und Anwendungen die Unterschiede für Nutzer abstrahieren.
Nutzer würden die technischen Unterschiede im zweiten Szenario im Idealfall kaum bemerken, sofern Wallet-Anbieter die Komplexität erfolgreich verbergen. Wie sich künftige Vorschläge entwickeln, dürfte am Ende entscheiden, wie kompatibel Wallets über verschiedene Chains hinweg tatsächlich bleiben.
Zuletzt aktualisiert am 15. September 2026



