Der American Reserve Modernization Act of 2026 (H.R. 8957) hat am 16. September 2026 eine wichtige Hürde genommen: Der Ausschuss für Finanzdienstleistungen des US-Repräsentantenhauses stimmte dem Gesetzentwurf mit 28 zu 21 Stimmen zu. Damit rückt die gesetzliche Verankerung einer staatlichen Bitcoin-Reserve einen Schritt näher – ein beschlossenes Gesetz oder gar ein unmittelbarer Kaufauftrag der US-Regierung ist das aber noch lange nicht.
Ausschuss bringt Bitcoin-Reservegesetz voran
Der Entwurf sieht vor, beim US-Finanzministerium eine Strategic Bitcoin Reserve sowie einen separaten Digital Asset Stockpile einzurichten. Erfasst werden sollen staatlich gehaltene Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte, die der Bund durch straf- oder zivilrechtliche Einziehungen erworben hat.
Eingebracht wurde die Gesetzesinitiative bereits am 21. Mai von US-Repräsentant Nicholas Begich. Kernstück des Entwurfs ist eine Mindesthaltefrist von 20 Jahren für Bitcoin, die einmal in der Reserve landen. Wer sich für die politische Ausrichtung der US-Bitcoin-Politik interessiert, findet in diesem Gesetzentwurf einen der bislang konkretesten Ansätze, staatliche Bestände dauerhaft festzuschreiben.
Was die staatliche Reserve für Bitcoin verändert
Die Ausschusszustimmung bringt Washington näher daran, Bitcoin dauerhaft als Teil der staatlichen Reserven zu behandeln, statt es als beschlagnahmtes Asset gelegentlich zu versteigern. Der Entwurf verlangt eine vollständige Bestandsaufnahme aller digitalen Vermögenswerte, die Bundesbehörden derzeit halten oder kontrollieren.
Vorgesehen sind zudem vierteljährliche Proof-of-Reserve-Berichte sowie Prüfungen durch unabhängige Dritte. Darüber hinaus soll eine Studie budgetneutrale Strategien zur Erweiterung der Reserve untersuchen, und Bundesstaaten sollen die Möglichkeit erhalten, eigene Bitcoin-Bestände bei der Federal Reserve zu verwahren.
Für Anleger ist das vor allem ein Signal zur langfristigen politischen Einordnung: Bitcoin wird hier nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt behandelt, sondern als Vermögenswert mit strategischem Charakter. Ein internationaler Vergleichspunkt liefert etwa El Salvadors staatliche Bitcoin-Strategie, während auch Staatsfonds bereits indirektes Bitcoin-Engagement aufbauen.
Politische Stimmen zur Tragweite
Begich begründete den Vorstoß laut Cointelegraph damit, dass Bitcoin in Bundesbesitz nicht länger in fragmentierter und uneinheitlicher Verwahrung verbleiben dürfe, da dies erhebliche Cybersicherheitsrisiken berge und keine ausreichende Übersicht über staatliches Eigentum ermögliche.
Connor Brown, Executive Director des Bitcoin Policy Institute, bewertete den Ausschussschritt als historischen Moment für die Bitcoin-Politik. Bereits im Mai hatte Strive-CEO Matt Cole den Entwurf als eine der wichtigsten Krypto-Gesetzesinitiativen aus Washington eingeordnet – eine Einschätzung aus der Zeit der Einbringung, nicht aus dem aktuellen Abstimmungskontext.
Wie viel Bitcoin der Staat bereits hält
Die US-Regierung hält laut Schätzung von Arkham Intelligence aktuell rund 324.527 Bitcoin, zum Zeitpunkt der Berichterstattung mit einem Gegenwert von etwa 24,7 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl beschreibt den geschätzten Bestand und keine durch die Abstimmung ausgelöste Kurs- oder Kapitalflussbewegung.
Nächste Hürden bis zum Gesetz
Die Ausschussentscheidung beseitigt lediglich eine von mehreren Hürden. Der Entwurf muss noch das gesamte Repräsentantenhaus sowie den Senat passieren, ehe er dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden könnte.
Offen bleibt, ob die 20-jährige Haltepflicht und die vorgesehenen Transparenzregeln in dieser Form Gesetz werden oder im weiteren Verfahren noch verändert werden.
Zwischen Signalwirkung und Ausführungsrisiko
Die Abstimmung im Ausschuss ist vor allem ein politisches Signal für eine langfristigere staatliche Einordnung von Bitcoin – sie bedeutet aber nicht automatisch, dass die US-Regierung kurzfristig in großem Umfang zusätzliche Bitcoin erwirbt. Anleger sollten die kommenden Abstimmungen im Plenum und im Senat sowie die endgültige Fassung der Verwahr-, Prüf- und Halteregeln im Blick behalten, bevor sie aus dem Ausschussvotum weitreichende Schlüsse ziehen.
Zuletzt aktualisiert am 21. September 2026
