Solana hat mit seinem Alpenglow-Konsensus-Upgrade einen zweiten öffentlichen Meilenstein erreicht: Nach der Aktivierung auf dem öffentlichen Testnet am 24. September folgte am 25. September die Umstellung auf dem Devnet. Ziel ist eine Transaktionsfinalität von nur 100 bis 150 Millisekunden – aktuell benötigt das Netzwerk dafür rund 12,8 Sekunden. Ob diese Geschwindigkeit auch unter vollen Mainnet-Bedingungen hält, ist damit aber noch nicht bewiesen, was die Ergebnisse für Börsen, Brücken und Verwahrer vorerst nur bedingt verwertbar macht.
Solana aktiviert Alpenglow auf Testnet und Devnet
Anza, das Team hinter dem Agave-Validator-Client, schaltete Alpenglow nach einem Countdown über 5.000 Slots – rund 17 Minuten – auf dem öffentlichen Testnet ein. Der Übergang schloss bei Slot 444.625.255 ab, wobei der letzte TowerBFT-Block noch 82 Prozent des gesamten Stakes trug, bevor ein Alpenglow-Genesis-Block die Finalisierung an das neue System Votor übergab.
Das Logo von Solana.
Das Devnet folgte am 25. September mit Abschluss bei Slot 504.148.999. Damit ist TowerBFT, Solanas ursprünglicher Konsensmechanismus, auf zwei öffentlichen Netzwerken bereits abgelöst. Grundlage ist der Vorschlag SIMD-0326, der im September 2025 mit 98,27 Prozent der abgegebenen Stimmen die Governance-Abstimmung durchlief. Mehr Hintergrund zum Upgrade und dessen möglichen Kursfolgen liefert der Beitrag zum Alpenglow-Upgrade im Testnetz.
Von 12,8 Sekunden auf 100 bis 150 Millisekunden
Der Sprung, um den es geht, ist erheblich: Statt der aktuellen 12,8 Sekunden für wirtschaftliche Finalität soll Votor zwei parallele Bestätigungspfade nutzen. Stimmen 80 Prozent des Stakes in einer Runde zu, greift der schnelle Pfad mit einem Ziel von 100 Millisekunden. Reichen zunächst nur 60 Prozent, folgt eine zweite Runde mit einem Ziel von 150 Millisekunden.
Möglich wird das, weil Votor die Validator-Abstimmungen von der Chain nimmt und stattdessen kompakte BLS-Zertifikate per Peer-to-Peer-Netzwerk sammelt. Bislang machten reine Abstimmungstransaktionen schätzungsweise 75 Prozent aller Netzwerktransaktionen aus – ein Aufwand, der mit Votor entfällt. Die Solana Virtual Machine, das Transaktionsformat, Programme und Gebühren bleiben unverändert, Wallet-Nutzer müssen nichts migrieren. Das neue Sicherheitsmodell erlaubt dabei bis zu 20 Prozent gegnerischen und weitere 20 Prozent offline befindlichen Stake. Ergänzend dazu ordnet der Beitrag zur Beschleunigung von Solanas Slot-Zeiten ein, warum Finalität und Slot-Dauer zwei getrennte, aber zusammenhängende Baustellen sind. Rotor, der geplante Ersatz für die Blockverteilung via Turbine, folgt erst in einem späteren Schritt.
Schnellere Finalität trifft auf Infrastrukturgrenzen
Selbst wenn das Protokoll künftig in 100 Millisekunden abrechnet, dürften Börsen, Brücken und Verwahrer ihre Einzahlungsprozesse zunächst weiter nach den alten, deutlich längeren Bestätigungsfenstern gestalten. Ein weiterer Effekt: Weil Validator-Stimmen nicht mehr in Blöcken auftauchen, sinkt die gemeldete Transaktionszahl – ohne dass die tatsächliche Nutzeraktivität zurückgeht.
Für Infrastruktur-Anbieter bedeutet das konkrete Anpassungsarbeit: Indexer müssen konkurrierende Kandidaten-Blöcke bis zur endgültigen Zertifizierung unterscheiden, und Geyser- sowie gRPC-Konsumenten erhalten eine neue bank_id-Kennung. Ilan Gitter von der Solana Foundation nannte nach der Aktivierung mehr als 25.000 Transaktionen pro Sekunde bei 150 Millisekunden Finalität auf dem Testnet-Cluster – eine Zahl, die ausdrücklich auf einem Test-Cluster gemessen wurde und nicht mit Mainnet-Bedingungen gleichzusetzen ist.
Mainnet-Übergang bleibt offen
Die beworbenen 100 bis 150 Millisekunden stammen bislang aus Simulationen und kleineren Testumgebungen. Ob sich das Ergebnis über den vollständigen öffentlichen Validator-Satz unter realer Marktaktivität hält, ist noch unbewiesen. Hinzu kommt fehlende Client-Vielfalt: Firedancer und Frankendancer unterstützen Votor bisher nicht, sodass die ersten öffentlichen Umstellungen allein auf Agave 4.3 beruhen.
Anza will Entwickler zunächst über eine Beobachtungsphase Integrationen testen lassen, bevor eine Migration auf Mainnet-Beta ansteht. Ein festes Aktivierungsdatum gibt es nicht; der 28. September taucht in den Agave-Zeitplänen lediglich als Fenster für die Wiederaufnahme allgemeiner Feature-Aktivierungen auf, nicht als bestätigter Alpenglow-Start.
Was Solana-Investoren jetzt beobachten sollten
Gelingt der Übergang, könnte Solana Transaktionsabwicklung künftig von Sekunden auf Millisekunden verkürzen und sich damit im Wettbewerb um institutionelle Zahlungsanwendungen besser positionieren – ein Ziel, das auch zur breiteren Strategie der Solana Foundation bei Zahlungsinfrastruktur passt. Entscheidend bleiben aber die offenen Punkte: volle Mainnet-Performance, Client-Vielfalt, Validator-Migration sowie die Bereitschaft von Börsen und Verwahrern, ihre Systeme anzupassen.
Die Testnet-Durchsatzzahlen sollten Anleger nicht als Beleg für erreichte Mainnet-Leistung werten. Das entscheidende Signal wird sein, ob aus der laufenden Beobachtungsphase und weiterer Client-Unterstützung tatsächlich ein bestätigtes Mainnet-Datum wird.
Zuletzt aktualisiert am 27. September 2026

