Seltsames Phänomen in den USA: Der Arbeitsmarkt kühlt ab, aber die US-Aktienmärkte erreichen immer wieder neue Höchststände.
Der US-Aktienmarkt spielt derzeit ein äußerst merkwürdiges, ja geradezu „krankhaftes“ Szenario durch. JPMorgan bezeichnet dies sogar als ein „seltsames Beispiel für expansionsgetriebene Arbeitslosigkeit“.
Der S&P 500 Index erreicht trotz abkühlender Einstellungen und steigender Arbeitslosenquote immer wieder neue Rekordhöhen. JPMorgan bezeichnet dies als „ein seltsames Beispiel für eine arbeitslose Expansion“.
Die dahinterstehende Logik der Wetten ist einfach: Schwache Arbeitsmarktdaten veranlassen die Federal Reserve zu Zinssenkungen, niedrigere Zinsen erhöhen die Bewertungen und das verlangsamte Lohnwachstum steigert die Gewinnmargen der Unternehmen.
Das klingt vielleicht kontraintuitiv – steigende Arbeitslosigkeit und steigende Aktienmärkte treten normalerweise nicht gleichzeitig auf –, aber es gibt durchaus Präzedenzfälle.
Michael Kantrowitz von Piper Sandler sagt: „Wir haben schon früher gesehen, dass Aktienmärkte und Arbeitslosenquote gemeinsam steigen.“ Er verweist auf vergangene Zyklen in den 1950er, 1960er und frühen 1990er Jahren, als schwache Arbeitsmarktdaten die Zinsen senkten und die Aktienmärkte antrieben.
David Kostin, Stratege bei Goldman Sachs, bringt es auf den Punkt: „Unter sonst gleichen Bedingungen ist ein abkühlender Arbeitsmarkt ein Rückenwind für Unternehmensgewinne, weil die Löhne – der größte Posten auf den Bilanzen der meisten Unternehmen – langsamer wachsen.“
Mit anderen Worten: Was für die Arbeitnehmer nachteilig ist, könnte den Aktienmarkt beflügeln. Zusammen mit Investitionen in künstliche Intelligenz und weiterhin robusten Gewinnen rufen die Prognostiker an der Wall Street nun dazu auf, dass der S&P 500 bis zum Jahresende auf bis zu 7.000 Punkte steigen könnte.
Doch die breite Öffentlichkeit jubelt nicht unbedingt.
Derzeit sinkt das Verbrauchervertrauen in den USA, insbesondere bei Familien, die durch Zölle und steigende Preise unter Druck geraten. Die Umfrage der University of Michigan im September zeigt, dass die langfristigen Inflationserwartungen den zweiten Monat in Folge gestiegen sind, während in der neuesten Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) fast die Hälfte der Privatanleger nun eine bärische Haltung einnimmt – der höchste Anteil seit dem Zollloch im April.
Für junge Amerikaner sieht die Lage sogar noch düsterer aus. Im August stieg die Arbeitslosenquote der 16- bis 24-jährigen Arbeitnehmer auf 10,5 % – der erste zweistellige Wert seit der Pandemie. Auch die Arbeitslosenquote der Hochschulabsolventen liegt nun über der der Gesamtarbeitskräfte, was einen deutlichen Gegensatz zur Zeit vor der Pandemie darstellt.
Genau hier liegt das Problem. Der Aktienmarkt steigt, weil Investoren erwarten, dass die Federal Reserve die Zinsen senkt – nicht weil die wirtschaftlichen Fundamentaldaten solide sind. Irgendwann wird diese Logik ins Wanken geraten.
Greg Daco, Chefökonom bei Ernst & Young, sagt: „Arbeitslose Expansion erscheint plausibel, ist aber fragil. Wir sehen widersprüchliche Signale.“
Obwohl Investitionen in künstliche Intelligenz das Wachstum der US-Aktienmärkte stützen, weist er auf politische Gegenwinde wie Zölle und Einwanderungsbeschränkungen hin: „Im Verhältnis zu den Abwärtsrisiken der Wirtschaft gibt es am Markt ein wenig Übermut. Am Ende werden schlechte Nachrichten nicht mehr gute Nachrichten sein.“
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Wird die Fed die Zinsen „kontinuierlich anheben“? Wird sich der „Straffungszyklus“ der späten 1980er Jahre wiederholen?
Ein Bericht von Citi weist darauf hin, dass das aktuelle makroökonomische Umfeld dem restriktiven Zyklus von 1988-1989 sehr ähnlich ist: Damals blieb die Wirtschaft widerstandsfähig, und der Inflationsdruck baute sich schrittweise auf, bevor die wirtschaftliche Aktivität nachließ und die Politik auf eine Lockerung umschwenkte. Während des restriktiven Zyklus damals erhöhte die Federal Reserve die Zinssätze 16 Mal in Folge.
Erzrivalen vereinen sich selten! Elon Musk und Sam Altman unterstützen Dario Amodeis Aufruf zur globalen Verlangsamung von KI
Anthropic Amodei ruft zu einer weltweiten Verlangsamung von KI auf, und die Rivalen Musk sowie Altman treten überraschend gemeinsam öffentlich für diese Initiative ein. Die drei großen Akteure stimmen darin überein, Dritten „Mitarbeiter-Level“-Bewertungsrechte zu gewähren und eine koordinierte Drosselung umzusetzen; Altman kündigte darüber hinaus direkt an, dass OpenAI dieses Jahr keinen Börsengang anstrebt. Der wütende Rücktritt eines Forschers und das kollektive Ausbrechen unkontrollierbarer KIs entfachten die lang angestaute Panik in der Branche.
Die jüngste Einschätzung von Goldman Sachs: Steigende Zinssätze ≠ Rückgang der US-Aktien, Gewinnwachstum ist der Schlüssel zum Bullenmarkt.
Goldman Sachs ist der Ansicht, dass hohe Zinssätze Gegenwind für den Aktienmarkt darstellen, aber keinen Bullenmarkt beenden. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe ist auf 5,3% gestiegen, aber historische Daten zeigen, dass die durchschnittliche Rendite der US-Aktien 12 Monate nach einer Zinserhöhung +9% beträgt. Die Bilanzen der Unternehmen sind auf dem stärksten Stand seit 20 Jahren, Investitionen in KI und eine Welle von Übernahmen treiben die Gewinnerwartungen weiterhin an. Es wird erwartet, dass der Gewinn pro Aktie im S&P 500 im Jahr 2026 340 US-Dollar erreichen wird, ein Wachstum von 24% gegenüber dem Vorjahr.
Die Wall Street fügt Lululemon (LULU.US) einen weiteren Short hinzu! Nachdem der Aktienkurs seit dem Höchststand um 81% eingebrochen ist, warnt BMO vor weiteren schwierigen Zeiten.
BMO Capital Markets ist der Ansicht, dass die Rückkehr von Lululemon in die Gewinnzone weder ein schneller noch ein leichter Prozess sein wird. Das Unternehmen für Sportbekleidung überlässt den Wettbewerbern zunehmend Marktanteile, und der Rückgang der Verkaufszahlen verschärft sich weiterhin.

