Die Wall Street verlagert den Fokus von Altcoin-Handel auf die Krypto-IPO-Pipeline.
Laut einer am 4. Oktober veröffentlichten Studie verlagern Wall-Street-Investoren ihre Investments von Frühphasen-Krypto-Projekten hin zu etablierten Unternehmen, die sich auf einen Börsengang vorbereiten. Cointelegraph berichtet, dass das Krypto-Finanzdienstleistungsunternehmen Matrixport Unternehmen im Wert von über 200 Milliarden US-Dollar in der IPO-Pipeline identifiziert hat. Diese Börsengänge könnten zwischen 30 Milliarden und 45 Milliarden US-Dollar an neuem Kapital einbringen.
Diese Verschiebung spiegelt die wachsende institutionelle Präferenz für regulierte Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen wider. Matrixport erklärte, dass anhaltende Verkäufe von Bitcoin-Minern und frühen Anwendern die Zuflüsse in börsengehandelte Fonds neutralisiert und die Volatilität reduziert haben. Dieses Umfeld macht Frühphasen-Altcoins für risikofreudige Investoren weniger attraktiv, während es Chancen für etablierte Krypto-Infrastrukturunternehmen schafft.
Zu den jüngsten Beispielen zählt die Krypto-Börse Kraken, die im September 2025 500 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 15 Milliarden US-Dollar sicherte. Wir berichteten, dass BitGo einen Antrag auf Börsennotierung an der New York Stock Exchange gestellt hat, mit etwa 90,3 Milliarden US-Dollar an verwahrten Vermögenswerten. Das Unternehmen aus Palo Alto betreut 4.600 Unternehmen und 1,1 Millionen Nutzer in 100 Ländern.
Kapitalbildung zieht Finanzinstitute an
Der IPO-Trend ist bedeutsam, da er Krypto-Unternehmen Zugang zu traditionellen Kapitalmärkten und regulatorischer Validierung verschafft. Öffentliche Listings erfordern geprüfte Finanzen, etablierte Governance-Strukturen und nachhaltige Einnahmequellen. Dies schafft die Transparenz, die institutionelle Investoren verlangen, bevor sie signifikantes Kapital bereitstellen.
Mehrere große Krypto-Unternehmen haben bereits 2025 erfolgreiche Börsendebüts absolviert. Webopedia berichtet, dass der Stablecoin-Emittent Circle und der Börsenbetreiber Bullish 1,1 Milliarden US-Dollar aufgebracht haben, wobei sich der Aktienkurs von Bullish verdreifachte und eine Bewertung von 13 Milliarden US-Dollar erreichte. Unternehmen wie eToro, Galaxy Digital und Exodus sind dieses Jahr ebenfalls an die Börse gegangen.
Die Pipeline geht über Börsen hinaus. Verwahrungsdienstleister, Stablecoin-Emittenten und institutionelle Handelsplattformen bereiten ebenfalls Anträge vor. Market Research Future prognostiziert, dass der Markt für Kryptowährungs-Verwahrungssoftware von 4,64 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 15,75 Milliarden US-Dollar bis 2034 wachsen wird. Dieses Wachstum spiegelt die steigende institutionelle Beteiligung wider, da die regulatorische Klarheit unter den aktuellen Regierungspolitiken zunimmt.
Traditionelle Finanzinstitute stehen unter Wettbewerbsdruck, Krypto-Dienstleistungen anzubieten. US Bancorp hat kürzlich nach regulatorischen Lockerungen digitale Vermögensverwahrungsdienste neu aufgelegt. Die Deutsche Bank plant Verwahrungsdienste für 2026 durch Partnerschaften mit Krypto-Infrastruktur-Anbietern. Diese Schritte validieren die Geschäftsmodelle etablierter Verwahrungsunternehmen.
Infrastrukturunternehmen verändern die Marktdynamik
Die Welle von Krypto-IPOs stellt einen grundlegenden Wandel dar, wie Digital-Asset-Unternehmen mit dem traditionellen Finanzwesen interagieren. CoinDesk berichtet, dass Analysten von JPMorgan die institutionelle Akzeptanz noch als in den Anfängen befindlich ansehen. Die Chicago Mercantile Exchange verzeichnete ein Rekordniveau beim institutionellen Open Interest in Krypto-Derivaten. Eine EY-Umfrage zeigte, dass 85 % der Unternehmen entweder bereits in digitale Vermögenswerte investieren oder dies für 2025 planen.
Dieser institutionelle Schwung kommt Infrastrukturunternehmen zugute, nicht spekulativen Altcoins. Die Aktien der Bullish-Börse stiegen seit dem IPO um 45 %, was das Investoreninteresse an regulierten Krypto-Plattformen zeigt. Das Unternehmen könnte zusätzlichen Auftrieb erhalten, falls es später in diesem Jahr eine BitLicense von den New Yorker Regulierungsbehörden erhält. JPMorgan hält eine neutrale Bewertung für Bullish mit einem Kursziel von 50 US-Dollar.
Der Trend beeinflusst auch, wie Investoren den Krypto-Marktzyklus angehen. Branchenbeobachter prognostizieren, dass 2025 keine traditionelle Altcoin-Saison stattfinden wird, in der alle Token gemeinsam steigen. Stattdessen werden voraussichtlich nur ausgewählte Altcoins mit institutioneller Unterstützung oder genehmigten ETF-Anträgen überdurchschnittlich abschneiden. Diese „papiergestützte Altseason“ bevorzugt Token mit regulatorischer Klarheit gegenüber rein spekulativen Vermögenswerten.
Mehrere ETF-Anträge warten im Oktober auf Entscheidungen der Securities and Exchange Commission. Litecoin-, Solana-, XRP-, Dogecoin- und Cardano-Anträge von großen Emittenten wie Grayscale, VanEck und Bitwise stehen diesen Monat an. Die Genehmigung dieser Produkte könnte zusätzliche institutionelle Zugangswege schaffen und gleichzeitig den Fokus auf regulierte Angebote statt ungeprüfter Altcoins legen.
Das Wettbewerbsumfeld wird Krypto-Unternehmen dazu zwingen, sich durch Serviceangebote und operative Widerstandsfähigkeit zu differenzieren. Der Erfolg an den öffentlichen Märkten hängt davon ab, nachhaltiges Wachstum über Marktzyklen hinweg zu demonstrieren. Unternehmen mit diversifizierten Einnahmequellen aus Verwahrungsgebühren, Handelsprovisionen und institutionellen Dienstleistungen sind besser positioniert als solche, die ausschließlich auf den Einzelhandel setzen.
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