Kleiner Rückgang, große Überraschung
Quelle: Wall Street Intelligence Circle
Nachdem sich die Kriegslage beruhigt hat, erkennen die Menschen plötzlich, dass derjenige, dem sie sich tatsächlich stellen müssen, immer noch die Federal Reserve ist.
Die Marktentwicklung am Montag lässt sich mit dem Wort „Überraschung“ beschreiben:
Eigentlich sprang der Ölpreis zum Handelsstart, doch am Ende fiel er, und US-Rohöl schloss unter 75 US-Dollar;
Eigentlich hoffte man auf gute Nachrichten aus den Verhandlungen zwischen den USA und Iran, doch die US-Aktien fielen, insbesondere die Technologiewerte verzeichneten deutliche Verluste.
Jede Marktbewegung erzählt ihre eigene Geschichte – die US-Aktien profitierten nicht vom Ölpreisrückgang, der Dollar überschritt die 101er-Marke und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg am selben Tag über 4,5 %. In diesem Umfeld stieg überraschenderweise der Goldpreis.
Die Kursbewegungen am Dienstag sind keinesfalls nur eine einfache Fortsetzung des Montags.
Erstens hat der Markt am Montag bereits die Erzählung vom „Nahost-Handel“ auf das „Zinsgeschäft“ umgestellt – denn der US-Aktienmarkt stieg trotz fallender Ölpreise nicht mehr (der Rückgang der Ölpreise führte nicht zu einer Rückkehr der Risikobereitschaft). Heute geht es darum, ob der Rückgang vom Vorabend nur ein einmaliges emotionales Ventil war. Das Wichtigste ist dabei nicht, wie stark der US-Aktienmarkt steigt oder fällt, sondern ob sich der „Dollar Index stabil über 101 halten kann“ und ob der „Ölpreis sich in der Nähe von 75 US-Dollar stabilisieren kann“. Wenn sich der Dollar Index heute Abend nach Börseneröffnung der US-Aktien fest über 101 hält, signalisiert dies, dass weltweit Kapital eine „präventive Liquiditätsflucht“ initiiert – Anleger ziehen es vor, auf die AI-Gewinne am US-Aktienmarkt zu verzichten und stattdessen auf Bargeld in US-Dollar zu setzen.
Zweitens ist der derzeit größte Treiber am Markt die Tatsache, dass nach den Aussagen von Waller und der Beobachtung der Veränderungen im Dot Plot der vergangenen Woche, die Markterwartungen eine deutliche, hawkishe Wende vollzogen haben. Die aktuellen Preise, die von Futures-Händlern gesetzt werden, zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 75 % für eine Zinserhöhung bis September. Inmitten fallender Märkte hat die Federal Reserve nach Börsenschluss sogar noch weiteres Öl ins Feuer gegossen.
Der Präsident der Chicago Federal Reserve, Goolsbee, erklärte, die Inflation liege deutlich über dem Ziel und entwickle sich in die falsche Richtung – was scheinbar schon vorab verrät, dass der Kern-PCE-Preisindex, der diesen Donnerstag veröffentlicht wird, weiter steigen dürfte. Goolsbee gilt innerhalb der Notenbank als einer der „taubenhaftesten Vertreter“ (er stimmte im vergangenen Jahr sogar gegen zu schnelle Zinserhöhungen), doch nun gibt selbst der landesweit bekannteste „Tauben-König“ offen zu, „die Inflation entwickelt sich in die falsche Richtung“, was zeigt, dass sich innerhalb der Federal Reserve sehr schnell ein absoluter Konsens für eine „Rückkehr zum Zinserhöhungskurs“ bildet.
Drittens wird heute ein „Tag der Bestätigung“ sein, an dem die Händler jede Wirtschaftskennzahl genau studieren und die Märkte wahrscheinlich noch deutlich volatiler auf neue Daten reagieren werden. Heute Abend um 21:45 Uhr steht die erste große Herausforderung dieser Woche an: die Bekanntgabe der US-Einkaufsmanagerindex (PMI) für Industrie und Dienstleistungen im Juni. Früher liebten die Märkte schlechte Daten, denn diese bedeuteten Zinssenkungen. Doch nun kehrt sich das Verhalten um: Gute Daten werden jetzt als schlechte Nachrichten interpretiert.
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