Die indonesische Börse hat den „Klassenerhalt“ geschafft, aber stehen noch größere Herausforderungen bevor?
Am Morgen des 24. Juni wird MSCI das Ergebnis der jährlichen Überprüfung der Marktkategorisierung bekannt geben. Derzeit wird vom Markt allgemein erwartet, dass Indonesien seinen Status als Schwellenland beibehält, wobei das zuvor befürchtete Risiko einer Herabstufung zum Frontier Market weitgehend ausgeschlossen wurde.
Bereits im Januar hatte MSCI aufgrund mangelnder Transparenz in der Eigentümerstruktur, eines niedrigen Anteils frei handelbarer Aktien und Problemen mit der Marktintegrität eine seltene Warnung bezüglich einer möglichen Herabstufung Indonesiens ausgesprochen. Nach der Veröffentlichung der Nachricht befürchteten Investoren einen Ausschluss Indonesiens aus dem MSCI Emerging Markets Index-System, was einen groß angelegten passiven Kapitalabzug auslöste. Der Jakarta Composite Index fiel an zwei Handelstagen um mehr als 15% und löste damit wiederholt einen Handelsstopp aus – ein Rückgang, der der schwerste seit der Asienkrise 1998 war.

Obwohl die indonesischen Regulierungsbehörden daraufhin rasch mehrere Reformmaßnahmen ergriffen, wie etwa die Anhebung des Mindestanteils frei handelbarer Aktien von 7,5% auf 15%, die Absenkung der Meldeschwelle für Aktionäre von 5% auf 1% mit monatlicher Meldung sowie die Veröffentlichung einer Liste hoch konzentrierter Aktiengesellschaften, entfernte MSCI im Mai dennoch 18 indonesische Aktien aus seinen Indizes. Damit bestehen weiterhin grundlegende Zweifel bezüglich der Reformbereitschaft des indonesischen Aktienmarkts. Seit Jahresbeginn ist der indonesische Aktienmarkt bereits um 31% gefallen, der Nettokapitalabfluss aus dem Ausland beläuft sich auf nahezu 4 Milliarden US-Dollar, womit Indonesien zu den weltweit am schlechtesten performenden Leitbörsen gehört.

Aus der jüngsten Bewertung der Marktzugangsbedingungen durch MSCI am 19. Juni geht jedoch hervor, dass MSCI den Informationsfluss-Indikator für Indonesien zwar auf negativ herabgesetzt hat, in den übrigen 17 Schlüsselkategorien wie Marktzugang, Kapitalmobilität und Investitionsfreundlichkeit aber keine Änderungen vornahm. Das deutet darauf hin, dass MSCI Indonesien eher dazu ermutigen will, die Reformen fortzusetzen, statt ein Herabstufungsverfahren einzuleiten.

Schlimmstes Szenario abgewendet, aber noch keine Markttrendumkehr in Sicht
Die kurzfristige Entschärfung des Herabstufungsrisikos hat Indonesien vor einem Extremrisiko eines passiven Kapitalabzugs in Höhe von bis zu 13 Milliarden US-Dollar bewahrt und verhindert auch, dass weitere Indexanbieter wie FTSE Russell und S&P Dow Jones mit Anpassungen nachziehen. Das trägt dazu bei, den Trend des anhaltenden Abflusses von ausländischem Kapital abzumildern. Der Markt muss nun keine extremen Szenarien mehr einpreisen.
Zudem wurden die von den Regulierungsbehörden in den vergangenen Monaten vorangetriebenen Reformen von MSCI zumindest teilweise anerkannt. Auch wenn diese Maßnahmen die Probleme noch nicht vollständig gelöst haben, zeigen sie doch den Willen der Regulatoren, die Markttransparenz zu verbessern.
Allerdings bedeutet der Verbleib Indonesiens im aktuellen MSCI-Status eher, dass sich die Lage nicht weiter verschlechtert – jedoch noch nicht, dass eine grundlegende Besserung begonnen hat.
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