Um 4:01 Uhr morgens, gerettet
Quelle: Wall Street Intelligence Circle
Vor dem heutigen Zeitpunkt um 20:30 Uhr (UTC+8), wenn „der Schuh fällt“, sind alle zwischenzeitlichen Rebounds oder Abstürze im Markt äußerst irreführend.
Gerettet.
Nach Börsenschluss an den US-Märkten (04:01 Uhr Beijing-Zeit) hat Micron eine nahezu makellose Bilanz vorgelegt.
Micron erzielte im dritten Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie von 25,11 US-Dollar und lag damit deutlich über den Erwartungen des Marktes von 20,49 US-Dollar; auch der Umsatz lag mit 41,46 Milliarden US-Dollar weit über den Prognosen der Wall Street. Besonders beeindruckend ist die Bruttomarge, die 84,9 % erreichte und sich im Jahresvergleich nahezu verdoppelte.
Die größte Sorge an der Wall Street war, dass das Interesse an „AI abgekühlt“ ist, aber Micron hat dem Markt gezeigt, dass dies in den letzten Tagen übertrieben war. Die Nasdaq-Futures sprangen nachbörslich zeitweise um über 2% nach oben. Auch der Kurs von Micron stieg nachbörslich schnell um über 10% und machte damit fast die Verluste der letzten zwei Tage wett.
Erstens: Betrachtet man die Entwicklung der US-Aktien-Futures nach Börseneröffnung am Donnerstag, zeigt sich eine gewisse Zurückhaltung, wobei die S&P 500-Futures sogar im Minus notierten; viele Hedgefonds haben Positionen glattgestellt. So gut die Micron-Bilanz auch ist, handelt es sich letztlich nur um ein Unternehmen. Das eigentliche Problem ist, dass die Gesamtbewertung des US-Marktes (insbesondere des S&P 500) mittlerweile so hoch ist, dass selbst kleine makroökonomische Makel keinen Platz mehr haben. Micron konnte seine Unschuld beweisen, aber das kann sie nicht für andere Firmen wie Microsoft oder Google tun, deren AI-Monetarisierungseffizienz damit nicht automatisch garantiert ist (Micron „verkauft Schaufeln“, Microsoft und Google „schürfen nach Gold“ – der Gewinn aus dem Schaufelverkauf bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder Goldgräber auch Erfolg hat).
Zweitens: Bereits vor der Bekanntgabe der Micron-Bilanz gab es an den globalen Märkten keine einseitige Entwicklung „Dollar steigt, und alles andere fällt“. Die US-Staatsanleihen haben bereits leicht angezogen (die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe fiel unter 4,4%), weil der Rückgang der Ölpreise zu erneuten Überlegungen im Markt führte, ob die Fed überhaupt noch Grund für eine Zinserhöhung hat. Zwar sinken die Marktprognosen für Zinserhöhungen, aber ein vollständiger Risikoneigung-Anstieg ist noch nicht eingetreten.
Drittens: Microns beeindruckender Quartalsbericht hat den Tech-Titeln einen kräftigen Schub gegeben und die Märkte vorübergehend stabilisiert. Ob die Aufwärtsbewegung heute anhält, liegt jedoch nicht in den Händen der Tech-Werte, sondern hängt von den heute Abend um 20:30 Uhr (UTC+8) veröffentlichten US-PCE-Inflationsdaten für Mai ab. Nach dem jüngsten Bruch nach unten hat der Pessimismus am Markt noch keinen vollständigen Ausbruch erfahren und wurde von Microns Zahlen nur kurzzeitig gebremst. Sollte jedoch der PCE-Bericht nicht mitspielen, könnten die Gewinne der Bullen direkt zum Handelsstart am Ende ebenso schnell wieder verloren gehen.
Micron sorgt für Rettung, der PCE sorgt für die Richtung.
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