Gold fällt auf das niedrigste Niveau seit 2026, PCE-Inflationsdaten im Fokus
Verfasser: Senior Analyst bei Gain Capital, Julian Pineda
Während diese Handelswoche weiter voranschreitet, ist eine der auffälligsten Entwicklungen an den Finanzmärkten die anhaltende Schwäche von Gold. Gold verzeichnete an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen einen starken Rückgang mit einem kurzfristigen Verlust von über 5,00 %, was erneut auf einen deutlich von Bären dominierten Trend hindeutet.
Der US-Dollar bleibt weiterhin eine wichtige Alternative für Anleger, wodurch Gold unter Abwärtsdruck gerät. Gleichzeitig konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf die bevorstehenden Wirtschaftskennzahlen aus den USA, die die Erwartungen einer aggressiveren Geldpolitik der Federal Reserve möglicherweise weiter verstärken. Solange Investoren weiterhin mit höheren Zinssätzen und einem stärkeren US-Dollar rechnen, dürfte Gold in den kommenden Handelstagen unter weiterem Verkaufsdruck stehen.
Werden die PCE-Inflationszahlen aus den USA Gold beeinflussen?
Am Donnerstag werden in den USA die Kern-PCE-Inflationsdaten veröffentlicht. Für Mai wird ein Anstieg auf 3,4 % erwartet, etwas höher als die 3,3 % aus dem April. Dieser Indikator schließt Nahrungsmittel und Energie aus und misst die Inflationsentwicklung im letzten Monat, wodurch die zugrundeliegenden Preisdrucke deutlicher sichtbar werden.
Gerade diese Veröffentlichung ist von besonderer Bedeutung, da dieser Wert zu den von der Federal Reserve genau beobachteten Inflationsindikatoren gehört. Derzeit geht der Markt bereits davon aus, dass die Zentralbank eine aggressivere Haltung einnehmen wird. Sollte die Zahl den Erwartungen entsprechen oder diese übertreffen, wird das die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den nächsten Monaten weiter verstärken.
Dies könnte ein entscheidender Faktor für Gold sein, da eine der wichtigsten Ursachen für die zurückhaltende Nachfrage die Markterwartung weiterer geldpolitischer Straffungen durch die Federal Reserve ist. Nach Angaben der CME Group hält der Markt die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve auf ihrer Sitzung am 16. September den Leitzins vom derzeitigen Referenzwert von 3,75 % anhebt, für fast 50 %. Die Veröffentlichung der PCE-Inflationsdaten wird daher dazu beitragen, ob diese Erwartung gültig bleibt – und womöglich vor den verbleibenden geldpolitischen Entscheidungen bis 2026 weiter gestärkt wird.
Für Gold bleibt die Lage somit unfreundlich. Die potenziell restriktivere Haltung der Federal Reserve stärkt den US-Dollar, während steigende Zinserwartungen die Attraktivität von in Dollar bewerteten Vermögenswerten erhöhen. Das zeigt sich am DXY, dem Index zur Messung der Stärke des US-Dollars, der aktuell die 101er-Marke klar überschritten hat – ein Höchststand seit 2026.
Eine Kombination aus hohen Zinserwartungen, anhaltender Inflation und einem starken Dollar belastet Gold weiterhin. Erstens wird Gold in US-Dollar notiert – ein erstarkender Dollar erhöht die Kosten für Anleger aus anderen Währungen; zweitens suchen Investoren in unsicheren Zeiten oft Stabilität, wofür US-Dollar und US-Staatsanleihen eine attraktivere Alternative sind – zumal Anleihen Renditen bieten, Gold jedoch nicht.
Daher könnte die Veröffentlichung der PCE-Daten in den nächsten Handelstagen als wichtiger Katalysator wirken. Sollten die Daten die Erwartung einer strafferen Geldpolitik durch die Federal Reserve weiter festigen, dürfte der Verkaufsdruck auf Gold/US-Dollar kurzfristig anhalten.
Technischer Ausblick für Gold
Wie im Chart ersichtlich:
· Abwärtstrendlinie weiterhin dominant: Die wichtigste technische Formation im Tageschart bleibt die seit März bestehende Abwärtstrendlinie. Diese Struktur spiegelt anhaltenden Verkaufsdruck wider, insbesondere falls der 50-Perioden-Durchschnitt den 200-Perioden-Durchschnitt nach unten kreuzt, was ein noch stärkeres bärisches Signal darstellen würde. Allerdings könnte der jüngste übermäßige Verkaufsdruck kurzfristig auch Raum für eine Erholung schaffen.
· RSI: Der RSI liegt weiterhin unterhalb der neutralen 50er-Marke, was auf anhaltenden Verkaufsdruck hindeutet, aber auch Anzeichen einer möglichen kurzfristigen bullischen Divergenz zeigt – der RSI verharrt auf einem ähnlich niedrigen Niveau, während Gold neue Tiefs markiert. Dies könnte auf einen Überverkauf hindeuten und kurzfristigen Korrekturen nach oben Raum geben.
· MACD: Das Histogramm des MACD liegt weiterhin sehr nahe an der Nulllinie, was auf ein relatives Gleichgewicht der kurzfristigen gleitenden Durchschnitte weist. Dies bedeutet, dass der längerfristige Abwärtstrend zwar weiter besteht, die Richtungsentscheidung in der jüngsten Kursentwicklung aber noch aussteht.
Wichtige Unterstützungs- und Widerstandsniveaus:
· 4.345 USD – Schlüsselniveau: Diese Marke liegt in der Nähe eines wichtigen Hochs und fällt zudem mit der langfristigen Abwärtstrendlinie zusammen. Sie stellt aktuell den wichtigsten Widerstand dar. Ein Bruch dieses Niveaus könnte die Abwärtsstruktur gefährden und im weiteren Verlauf die Perspektive für einen nachhaltigen Aufwärtstrend eröffnen.
· 4.182 USD – kurzfristige Schwelle: Dieser zuletzt neutrale Bereich fungiert nun als nächster Referenzwiderstand. Sollte eine kurzfristige Erholung einsetzen, dürfte hier die erste Hürde für Bullen liegen.
· 3.886 USD – Schlüsselniveau: Dieses Niveau liegt nahe dem Tief aus Oktober 2025 und ist derzeit die wichtigste Unterstützung auf der Unterseite. Sollte der Preis weiter in diese Region fallen, würde sich die bärische Tendenz verstärken und der aktuelle Abwärtstrend sich vermutlich fortsetzen.
Redakteur: Zhu Henan
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