KI-Investitionen lösen Finanzierungsschub aus! Goldman Sachs: US-Unternehmen werden 2026 voraussichtlich ein Rekordvolumen an Aktienemissionen erreichen, aber Rückkäufe werden einen starken Ausgleich schaffen.
Mit den steigenden Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) und dem dadurch entstehenden hohen Finanzierungsbedarf geben US-Unternehmen mehr Aktien an Investoren aus. Strategen von Goldman Sachs betonen, dass das erhöhte Aktienangebot eher eine Rückkehr zum normalen Niveau darstellt und keine den Markt bedrohende Emissionswelle bedeutet.
German财经APP berichtet, mit steigenden Ausgaben für Künstliche Intelligenz (AI) wächst der Bedarf an Kapital, und US-Unternehmen geben zunehmend mehr Aktien an Investoren aus. Laut Daten von Goldman Sachs haben US-Unternehmen im zweiten Quartal dieses Jahres durch Börsengänge (IPO), Folgeemissionen, wandelbare Wertpapiere und SPACs insgesamt 252 Milliarden US-Dollar eingesammelt, womit der Quartalsrekord aus dem ersten Quartal 2021 von 234 Milliarden US-Dollar übertroffen wurde. Im zweiten Quartal betrug das Volumen der Folgeemissionen 70 Milliarden US-Dollar; bis Juli summierte sich das Volumen der Folgeemissionen dieses Jahres auf 105 Milliarden US-Dollar – der höchste Stand im Vergleichszeitraum seit 2021.

Allerdings betont Goldman Sachs-Stratege Ben Snider, dass der Anstieg des Aktienangebots vielmehr eine Rückkehr zum Normalniveau darstellt, statt einen für den Markt bedrohlichen Ausgabeboom. Trotz des hohen Emissionsvolumens stellt Snider fest: Im Verhältnis zur gesamten Marktkapitalisierung liegt die Aktienausgabe derzeit immer noch unter dem historischen Durchschnittsniveau. Außerdem sind die Emissionsaktivitäten dieses Jahr stark konzentriert: Die drei größten IPOs und Folgeemissionen machen bis Juli fast die Hälfte des kumulierten Emissionsvolumens aus.
AI treibt den Kapitalbedarf weiter nach oben
Künstliche Intelligenz ist bereits ein wichtiger Faktor für die Emission neuer Aktien. Einer am 7. August veröffentlichten Analyse von Goldman Sachs zufolge machen Unternehmen mit AI-Bezug dieses Jahr etwa 40% des US-Folgeemissionsvolumens aus. Im Segment Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) liegt der Anteil bei 28%, deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 13%.
Da große Tech-Unternehmen weiter Datenzentren und andere AI-Infrastrukturen errichten, könnte dieser Finanzierungsbedarf stark steigen. Konsensprognosen zeigen, dass in den kommenden Jahren die jährlichen Investitionen von Hyperscale-Cloud-Computing-Unternehmen die Marke von 1 Billion US-Dollar übersteigen werden.
Goldman Sachs führt in der Analyse Amazon (AMZN.US), Google (GOOGL.US), Meta Platforms (META.US), Microsoft (MSFT.US) und Oracle (ORCL.US) als wichtigste Hyperscale-Cloud-Anbieter auf. Bis 2027 wird erwartet, dass die Investitionen dieser Unternehmen etwa 150 Milliarden US-Dollar über ihren operativen Cashflows liegen. Einige Investoren rechnen mit einem noch größeren Kapitaldefizit.
Goldman Sachs schätzt, für den Fall dass die Investitionen der Hyperscale-Cloud-Unternehmen nächstes Jahr auf von Investoren erwartete 1,4 Billionen US-Dollar steigen, bleibt selbst bei einem sprunghaften Wachstum der Cashflows eine Finanzierungslücke von über 300 Milliarden US-Dollar.
Allerdings zeigt Goldman Sachs auf, dass die jüngsten Geschäftsberichte von Amazon, Google, Meta und Microsoft Raum für weitere Steigerungen bei Umsatz und Cashflow bieten. Die durch AI-Investitionen erzielten höheren Renditen könnten die Unternehmen in die Lage versetzen, mehr Investitionen aus internen Mitteln zu finanzieren.
Schuldfinanzierung wird den Großteil der Kapitalbeschaffung tragen
Die Emission von Aktien wird nicht zur wichtigsten externen Finanzierungsquelle beim Ausbau von AI-Infrastruktur werden. Die Kreditstrategen von Goldman Sachs erwarten, dass Hyperscale-Cloud-Unternehmen ihre Investitionsausgaben 2027 zu 35% durch Fremdfinanzierung decken. Das bedeutet, dass das weltweite Anleiheemissionsvolumen nächstes Jahr etwa 400 Milliarden US-Dollar erreichen könnte und auch in den kommenden Jahren voraussichtlich auf ähnlichem Niveau bleibt. Darüber hinaus prognostiziert Goldman Sachs für 2027 eine Nachfrage nach Projektfinanzierung von rund 300 Milliarden US-Dollar im Bereich Datenzentren und Chips.
Die Aktienfinanzierung bleibt trotzdem Teil des Finanzierungsmix, besonders für andere Unternehmen der AI-Infrastruktur. Die Ausgabe von Aktien kann ihnen helfen, zusätzliche Mittel für langfristige Investitionsvorhaben zu beschaffen, während sie ihre Bilanz nicht übermäßig belasten. Wie schnell neue Aktien ausgegeben werden, hängt auch vom Marktumfeld ab. Historische Daten zeigen, dass Unternehmen in Zeiten starker Börsen und hoher Bewertungen eher bereit sind, neue Aktien auszugeben.
Investoren haben das zusätzliche Aktienangebot bereits absorbiert
Die Ausgabe neuer Aktien drückt normalerweise kurzfristig die Aktienkurse. Die vergangenen 30 Jahre zeigen, dass Folgeemissionsunternehmen am Tag nach Ankündigung im Median um etwa 2% fallen. In den Folge-Monaten erholen sich die Kurse zumeist schrittweise.
Goldman Sachs erkennt derzeit keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass Investoren Schwierigkeiten haben, das zusätzliche Aktienangebot zu absorbieren. Die jüngsten Folgeemissionspreise liegen durchschnittlich etwa 7% unter dem Kurs vor Ankündigung, und die Kursentwicklung nach der Emission entspricht weitgehend historischen Mustern.
2026 werden US-Unternehmen Rekordvolumen an Aktien ausgeben
Goldman Sachs erwartet, dass das US-Aktienemissionsvolumen 2026 einen neuen Dollar-Rekord erreichen wird. Für nächstes Jahr prognostiziert die Bank ein Gesamtvolumen von rund 700 Milliarden US-Dollar, davon etwas mehr als 225 Milliarden US-Dollar aus IPOs und etwa 450 Milliarden US-Dollar aus anderen Aktienemissionsformen.
Dieses Volumen entspricht jedoch nur etwa 1% der gesamten Marktkapitalisierung des Russell 3000 und ist vergleichbar mit dem Jahresdurchschnitt von 2015 bis 2019. Für Investoren, die befürchten, dass die Finanzierungsvorgänge die Kapazität des Aktienmarktes übersteigen könnten, ist dieser Verhältniswert von Bedeutung.
Aktienrückkäufe stellen eine starke Absicherung dar
Snider erklärt, dass Unternehmensrückkäufe voraussichtlich die neuen Aktienemissionen übersteigen und somit den Markt stärker stützen werden. Im zweiten Quartal wuchs das Rückkaufvolumen der S&P 500-Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um 11%. Bis zum Veröffentlichungsdatum des Goldman Sachs-Berichts haben US-Unternehmen bereits Rückkäufe im Rekordumfang von 989 Milliarden US-Dollar autorisiert.
Goldman Sachs prognostiziert, dass US-Unternehmen dieses Jahr Aktien im Wert von 1,4 Billionen US-Dollar zurückkaufen werden. Dieser Wert übertrifft das Volumen neuer Aktienemissionen sowie das zusätzliche Angebot durch das Ende der IPO-Sperrfristen.
Das endgültige Marktbild lautet: AI-Investitionen erzeugen einen steigenden externen Finanzierungsbedarf, führen aber bislang nicht zu einem Überangebot an Aktien, das die Nachfrage der Investoren übersteigt. Wie Goldman Sachs im Titel des Berichts zusammenfasst: Aktienemissionen sind „Gegenwind, aber noch kein Sturm“.
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