Morgan Stanley gibt zu, „auf das falsche Pferd gesetzt“ zu haben, stuft US-Aktien im IT-Hardwarebereich schnell herauf: „Chip-Inflation“ verwandelt sich vom Nachfragestöter zum Katalysator eines Einkaufsbooms, Speichera ktien am beliebtesten.
Morgan Stanley hat seine bisher vorsichtige Haltung aufgegeben und das Rating für den US-amerikanischen IT-Hardware-Sektor angehoben. Der Grund dafür ist, dass die anhaltend steigenden Speicherchip-Preise, die sogenannte "Chipflation", die Nachfrage nicht gebremst, sondern Unternehmen dazu veranlasst haben, ihre Einkäufe zu beschleunigen. Dies hat eine Welle der "Fear of Missing Out" bei der Beschaffung ausgelöst, die zu einem Lagertrend geführt hat.
Finanznachrichten-App informiert: Morgan Stanley hat seine zuvor vorsichtige Haltung geändert und die Bewertung des US-amerikanischen IT-Hardware-Sektors angehoben. Grund dafür ist die anhaltend steigende Preisentwicklung bei Speicherchips, genannt „Chipflation“. Diese hat die Nachfrage nicht etwa abgewürgt, sondern Unternehmen dazu gezwungen, ihre Beschaffungen zu beschleunigen. Es entsteht eine Welle des „Fear of Missing Procurement“ (FOMP), also Vorratskäufe aus Angst, Beschaffungsmöglichkeiten zu verpassen. Gleichzeitig warnt das Institut jedoch, dass die aktuelle Marktphase hauptsächlich zyklisch getrieben ist und nach Erreichen des zyklischen Gewinnanstiegs wieder eine vorsichtige Haltung eingenommen werden könnte.
Erik Woodring, Analyst bei Morgan Stanley, stuft in seinem neuesten Bericht den Ausblick für den US-amerikanischen IT-Hardware-Sektor von „vorsichtig“ auf „marktgerecht“ herauf und gibt unverblümt zu, dass man zuvor „bei Hardware-Investitionen auf das falsche Pferd gesetzt“ habe. Die Bank hatte angenommen, dass die rekordverdächtige Preissteigerung bei Komponenten die Erholung der Ausgaben im Hardware-Bereich schnell beenden würde – tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten.
Mit der Aufwertung des Sektors hat Morgan Stanley eine Reihe von Einzelaktien neu bewertet: Hewlett Packard Enterprise (HPE.US) und Everpure, Inc. (P.US) wurden auf „Übergewichten“ hochgestuft, NetApp (NTAP.US) auf „Neutral“, während die Bewertung von Teradata (TDC.US) gesenkt wurde.
„Fear of Missing Procurement“ und KI-getriebene Expansion sorgen für Trendwende
Die Trendwende fußt auf zwei Hauptfaktoren. Erstens beschreibt Woodring, dass Unternehmen die „Chipflation“ bei Speichern als „mehrjährige strukturelle Gegenwind“ sehen. Anders als früher, wo man Preissenkungen abwartete, priorisieren CIOs nun den Einkauf von PCs, Servern und Storage-Arrays, um die derzeit noch günstigen Preise zu sichern und zukünftige Engpässe zu vermeiden. Woodring nennt dieses Verhalten „Fear of Missing Procurement“ (FOMP).
Zweitens: Die hauseigene AlphaWise-Umfrage von Morgan Stanley zeigt, dass für KI-bezogene Expansion vorgezogene Nachfrage die Wachstumsrate von Servern und Speicher „bis 2027 auf ein historisches Rekordhoch“ treibt. Diese langfristige Visibilität überzeugt die Bank davon, dass trotz des Kursanstiegs im Hardware-Bereich der aktuelle Zyklus noch weiterlaufen kann.
Innerhalb der Untersegmente hat Morgan Stanley seine Präferenz neu geordnet: an erster Stelle Speicher, gefolgt von Servern und PCs. Die Bank hat die Gewinnprognosen für die abgedeckten OEMs flächendeckend angehoben; der Gewinn je Aktie für 2026 und 2027 liegt aktuell jeweils 9% bis 12% über den Konsenserwartungen von Wall Street.
Warum bleibt die „Chipflation“?
Die Veränderung im Beschaffungsverhalten wurzelt in einer historischen Preisanstiegwelle bei Speicher. Getrieben von KI-Nachfrage steigen die Preise für Speicherchips rasant. Der Teilindex für elektronische Komponenten im US Producer Price Index verzeichnete im Juni einen Anstieg von 27,6% gegenüber dem Vorjahr – der größte Zuwachs seit Beginn der Datenerfassung 1966 und deutlich mehr als in der PC-Einstiegsphase der 1980er oder während des chipbedingten Engpasses während der Pandemie.

Morgan Stanley prägte den Begriff „Chipflation“ erstmals in einem Bericht im Juni und betonte, dass die Speicherpreise im vergangenen Jahr mehr als sechsmal so hoch geworden sind. Das ist das Gegenteil des jahrzehntelangen Trends stetig sinkender Speicherpreise – zwischen 1957 und 2020 fiel der Preis pro GB DRAM etwa alle fünf Jahre um 90%. Doch die Bank stellt klar: „Im KI-Zeitalter gilt dieser Trend nicht mehr.“
Hinter den steigenden Preisen steht ein Wettlauf um das Angebot. Meta (META.US), Microsoft (MSFT.US) und Alphabet (GOOGL.US) sichern ihre Speicherbeschaffung durch mehrjährige Verträge im Voraus, wodurch traditionelle PC- und Smartphone-Hersteller in einem schrumpfenden Pool um die verbleibenden Lieferungen kämpfen müssen.
Berichten zufolge testet Apple (AAPL.US) aktuell Speicherprodukte von Changxin Memory, einem chinesischen Hersteller, um der Kostenexplosion zu begegnen – solche Kooperationen müssen meist vom Weißen Haus genehmigt werden.
Jay Kwon, Stratege bei JP Morgan, äußerte sich diese Woche ebenfalls zur Speicherbranche. Er erwartet, dass der Chipmangel mindestens noch zwei Jahre anhalten wird.
Kwon schrieb am Montag: „Getrieben von Preisen und Absatzzahlen bleibt das Marktvolumen für Speicher insgesamt im Wachstum, und die Angebotslücke wird sich noch mindestens zwei Jahre fortsetzen. Die Ausweitung der Speicherbedarfs von GPU hin zu CPU ist von Investoren offenbar unterschätzt – der Begriff ist zwar allgemein bekannt, aber die reale Angebots-Nachfrage-Wirkung ist nicht vollständig erkannt. Das bleibt eine entscheidende Variable für weiter ansteigende Nachfrageprognosen.“
David Goeckeler, CEO von SanDisk (SNDK.US), hat das aktuelle Marktbild auf der Quartals-Telefonkonferenz letzte Woche vermutlich am treffendsten zusammengefasst: „In den letzten zwei bis drei Quartalen haben wir sehr viel Zeit mit unseren wichtigsten Kunden verbracht, um langfristige Nachfrageverpflichtungen zu klären. Jetzt haben wir über vier Jahre Geschäftssicht und sind sehr zuversichtlich bezüglich der Perspektiven.“
Vor Veröffentlichung des Verbrauchpreisindex (CPI) für den Juli am Mittwoch erwartet Morgan Stanley, dass „Chipflation“ den Gesamt-CPI um etwa 0,10 Prozentpunkte anhebt, aber den Teilindex für PCs und Smartphones um bis zu 15 Prozentpunkte beeinflussen kann.
Trotz positiver Stimme bleibt Morgan Stanley vorsichtig und bewertet die aktuelle Euphorie als taktisch, nicht strukturell. Die Bank betont, dass die derzeitigen positiven Faktoren „hauptsächlich zyklisch“ sind. Der Hardware-Sektor hat seit Anfang 2025 mehr als 100% zugelegt und befindet sich auf einem historisch teuren Niveau.
Woodring warnt: Der aktuelle Zyklus könnte sich ab 2027 drehen, und das Erreichen des Zyklus-Peaks bei den Gewinnprognosen wird für die Bank „das klare Signal zur Rückkehr zu Vorsicht“ sein.
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