Im Widerspruch! Goldman Sachs-Strategen: Die Federal Reserve könnte dieses Jahr auf vollständige Zurückhaltung setzen und widersprechen damit den Zinserwartungen des Marktes.
Goldman Sachs zeigt eine deutliche Abweichung von den vorherrschenden Markterwartungen – das Institut geht davon aus, dass die Federal Reserve auf absehbare Zeit die Zinssätze unverändert lässt und prognostiziert, dass der Inflationsdruck in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 allmählich nachlässt.
Matheus Dibo, Leiter der Investmentstrategie für Europa, Nahost und Afrika bei Goldman Sachs, erklärte am Mittwoch gegenüber Bloomberg TV, dass die Marktteilnehmer derzeit weiterhin von Zinserhöhungen ausgehen, aber Goldman Sachs eine andere Sicht vertritt, und erwartet, dass die Federal Reserve das gesamte Jahr 2026 über untätig bleibt. Er betonte, dass die Inflationsdaten zu Jahresbeginn durch einmalige Faktoren wie Ölpreise, Weltmeisterschaft und Zölle beeinflusst wurden und es kaum Anzeichen für eine Ausweitung der Inflation auf breitere Bereiche gibt.
Diese Einschätzung weicht deutlich von der aktuellen Marktbewertung ab. Händler preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50% für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September ein, während Ökonomen nach einem unerwarteten Rückgang des Kern-CPI um 0,4% in der vorherigen Runde für die aktuelle Runde einen Anstieg um 0,1% prognostizieren. Dibo räumt ein, dass Aufwärtsrisiken bestehen, hält aber an seiner Annahme fest, dass die Federal Reserve unverändert bleibt.
Federal Reserve kann abwarten und muss nicht überstürzt handeln
Dibo legte aus verschiedenen Blickwinkeln dar, warum die Inflation tendenziell moderater wird. Er erklärte, dass die Wohnungsinflation sich mit der Entwicklung des Immobilienmarktes abschwächen sollte. Auf Lohnseite geht er davon aus, dass Löhne nicht zum Hauptinflationstreiber werden, da der US-Arbeitsmarkt weit von einer Überhitzung entfernt ist.
Der vergangene Woche veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht wird vom Markt weiterhin analysiert. Dibo beschreibt den aktuellen Arbeitsmarkt als einen „Zustand des Gleichgewichts“ – weder große Neueinstellungen noch Massenentlassungen, insgesamt stagnierendes Gleichgewicht. Aus seiner Sicht ist dies kein Impulsgeber für steigende Inflation.
Dibo sagt, die Federal Reserve sei durchaus in der Lage, weitere Daten abzuwarten, bevor sie Entscheidungen trifft, und müsse nicht frühzeitig aktiv werden. Aus seiner Sicht bietet das aktuelle wirtschaftliche Umfeld einen ausreichenden Beobachtungszeitraum für die Geldpolitik.
Er räumt jedoch ein, dass die Risiken nicht symmetrisch verteilt sind. „Wir erkennen durchaus, dass die Risiken in Richtung einer Zinserhöhung geneigt sind, insbesondere wenn die kommenden Inflationsdaten die Erwartungen übersteigen.“ Dies bedeutet, dass die Prognose von Goldman Sachs für Untätigkeit der Federal Reserve auf der Annahme beruht, dass die Inflation nicht weiter unerwartet steigt.
Markt und Goldman Sachs sind uneinig, CPI-Daten als Schlüsselvariable
Die aktuelle Marktbewertung zeigt, dass Händler eine etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September erwarten, was im direkten Gegensatz zur Basisprognose von Goldman Sachs steht.
Der bevorstehende US-CPI-Bericht für Juli wird zum entscheidenden Prüfstein für die jeweiligen Einschätzungen.
Ökonomen erwarten, dass der Kern-CPI im Monatsvergleich um 0,1% steigt und damit deutlich weniger als der unerwartete Rückgang um 0,4% in der letzten Runde. Sollte die Zahl erneut die Erwartungen übersteigen, könnte die Zinserwartung am Markt weiter steigen und die Prognose von Goldman Sachs herausfordern; andernfalls würde eine fortgesetzte moderate Inflation die Erwartung von Untätigkeit stützen.
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