Die Erwartung auf Zinserhöhungen steigt angesichts starker US-Arbeitsmarktdaten, US-Staatsanleihen werden abverkauft – warum bleiben US-Aktien davon unberührt?
Nach den Arbeitsmarktdaten stieg der US-Dollar, der S&P 500 schloss am Tag mit Verlusten, hielt jedoch den Wochengewinn; der Nasdaq 100 erzielte ebenfalls einen Wochenanstieg, und der Druck auf den Anleihemarkt hat sich noch nicht auf breitere Risikoanlagen ausgeweitet. Analysen weisen darauf hin, dass die Kreditspreads weiterhin schrumpfen und die Kreditvergabe sowie die Geldschöpfung nicht zurückgegangen sind; dennoch sollten US-Aktien vor einem schnellen Anstieg der Zinssätze gewarnt sein und die CPI-Daten der nächsten Woche im Auge behalten.
Globale Anleihen werden verkauft, die Erwartungen einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank steigen, aber an der Wall Street zeigen Risikoanlagen keine gewohnte Panikflucht – die Kreditspreads bleiben eng, die Kosten für Absicherungen sind weiterhin relativ günstig. Dieses seltene "Entkopplung"-Szenario stellt die Belastungsgrenze des Marktes auf die Probe.
Die am Freitag veröffentlichten starken Arbeitsmarktdaten trafen US-Staatsanleihen erneut schwer, Trader wetten jetzt verstärkt darauf, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am 16. September mit Zinserhöhungen beginnt.
Nach den Arbeitsmarktdaten stieg der Dollar, der S&P 500 schloss am Tag niedriger, konnte aber seine Wochengewinne verteidigen; der Nasdaq 100 verzeichnete ebenfalls einen Wochenanstieg. Bislang scheint sich der Druck am Anleihemarkt noch nicht auf das breitere Risikoanlage-Segment ausgeweitet zu haben.
Laut Forschung von JPMorgan hat sich die Liquidität am Markt für US-Staatsanleihen deutlich verschlechtert, doch Index-Futures und Unternehmensanleihen-ETF zeigen keinen vergleichbaren Druck. Mehrere Strategen warnen, dass ein plötzlicher, starker Anstieg der Zinsen Investoren zu aggressiveren Risikoreduktionen zwingen könnte, was die Marktstimmung deutlich verschlechtern könnte.
Gleichzeitig wird die nächste Inflationszahl zum entscheidenden Faktor – das kommende CPI-Update wird möglicherweise die weitere Richtung der US-Notenbank bestimmen.
Kreditspreads ruhig, Risikoanlagen zeigen Widerstandskraft
Starkes Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne sind die Hauptstützen, mit denen Risikoanlagen dem Druck aus dem Anleihemarkt standhalten.
Collin Martin, Leiter Forschung und Strategie für festverzinsliche Anlagen am Schwab Financial Research Center, sagt: "Die finanziellen Bedingungen sind weiterhin locker, und die Kreditspreads bleiben auf einem ungewöhnlich engen Niveau. Wenn das Gewinnwachstum der Unternehmen im Jahresvergleich über 20 Prozent liegt, scheint es, als machten sie sich wenig Sorgen um die aktuellen Kreditkosten."
Auch die Untersuchungen von JPMorgan verdeutlichen die Trennung zwischen Preis und Verfügbarkeit von Kapital:
Obwohl die Kreditkosten bereits gestiegen sind, haben sich Kreditvergabe und Geldschöpfung nicht entsprechend verringert. Die Kreditvergabe der US-Banken wächst weiter, das Nettoemissionsvolumen der Investment-Grade-Unternehmen in den USA hat sich im August ebenfalls erhöht. Im Zuge des von künstlicher Intelligenz befeuerten Investitionsbooms erzielen führende Unternehmen weiterhin hohe Gewinne, die Finanzierungskanäle bleiben offen und umfassende Investitionen können fortgesetzt werden.
Martin merkt jedoch an, dass die Spreads von CCC-Anleihen sich bereits ausgeweitet haben, während die Spreads von BB- und B-Anleihen sich verkleinert haben. Immobilien und Small-Cap-Aktien schneiden bei steigenden Zinsen schlechter ab, Energie- und Finanzwerte hingegen profitieren relativ gesehen.
Rascher Zinsanstieg als größeres Risiko
Dan Suzuki, globaler Investment-Stratege bei iCapital, richtet den Blick auf ein noch bedrohlicheres Szenario. "Wenn die Zinsen rasch steigen, werden Investoren sehr wahrscheinlich gezwungen, ihr Risiko aggressiver zu reduzieren, und dann könnte die Marktstimmung sich erst wirklich verschlechtern," sagt er.
Marvin Loh, Senior Macro Strategist bei State Street Bank, erweitert das Problem auf eine makroökonomische Ebene. Er glaubt, dass aktuell Regierungen und Unternehmen um Kapital konkurrieren, während die Wirtschaft auch ohne strukturelle Unterstützung robust bleibt – dieses Phänomen ist bemerkenswert. Loh sagt:
"Der Arbeitsmarktbericht von Freitag bestätigt erneut dieses Bild der Wirtschaft – auch ohne die strukturellen Faktoren, die üblicherweise die Arbeitslosigkeit senken, läuft die Wirtschaft gut, und die Marktsignale deuten darauf hin, dass die Fed die Zinsen erhöhen sollte. Wir gehen weiterhin davon aus, dass dies in diesem Jahr geschieht."
Arbeitsmarktdaten "hawkish", Fokus auf CPI
Der genaue Inhalt des Arbeitsmarktberichts liefert zusätzliche Argumente für Zinserhöhungen. Die Zahl neuer Stellen im August übertraf die Erwartungen, auch die Daten der Vormonate wurden nach oben korrigiert – die Vorstellung einer abkühlenden Arbeitsmarktentwicklung wurde nicht weiter gestützt.
Sarah Hunt, Chief Market Strategist bei Alpine Saxon Woods, sagt, dass dieser Bericht den Tauben viel weniger "Munition" liefert als eine schwache Zahl – der Fokus des Marktes richtet sich nun auf die Inflation. Wenn die CPI-Daten in der nächsten Woche heiß ausfallen, werden die Argumente für eine Zinserhöhung weiter gestärkt.
Aus Sicht der Beschäftigungsstruktur erkennt Brad Conger, Chief Investment Officer von Hirtle & Co., in den Daten erste Spuren des KI-Substitutionseffekts.
Er stellt fest, dass die Finanz- und Informationsbranche insgesamt etwa 34.000 Stellen weniger zählte, während Branchen wie Bau, Produktion und Versorger – die mit dem Bau von Rechenzentren, der Bereitstellung von Ausrüstung und der Absicherung von Energie verbunden sind – stark abschneiden. "Wenn man genau hinschaut, sieht man vielleicht die ersten Ansätze des KI-Ersatzes," sagt er.
Mit dem Ende der Berichtssaison steigt aktuell die Bedeutung der Makrodaten deutlich an. Greg Boutle, Leiter für amerikanische Aktien und Derivatestrategien bei BNP Paribas, sagte im Interview:
"Jetzt ist es an der Zeit, bei Aktien vorsichtig zu sein, aber noch nicht pessimistisch. Die Arbeitsmarktdaten heute waren leicht hawkish, klären aber nicht die nächste Richtung der US-Notenbank endgültig. Daher ist das kommende CPI-Update entscheidend und ob die Fed vor den US-Midterms die Zinsen erhöht."
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