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Die nachlassende Inflation und der drastische Ölpreisverfall zerstören den Konsens über Zinserhöhungen, interne Meinungsverschiedenheiten in der EZB, September könnte eine politische Wegscheide werden.

Die nachlassende Inflation und der drastische Ölpreisverfall zerstören den Konsens über Zinserhöhungen, interne Meinungsverschiedenheiten in der EZB, September könnte eine politische Wegscheide werden.

华尔街见闻华尔街见闻2026/07/01 21:57
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Von:华尔街见闻

Innerhalb der Europäischen Zentralbank herrscht keine Einigkeit mehr darüber, ob die Politik weiter gestrafft werden soll. Der starke Rückgang der Ölpreise und die Abschwächung der Inflation im Euroraum verringern den Druck für weitere Zinserhöhungen und führen dazu, dass der Markt die Zinsaussichten für das laufende Jahr neu bewertet.

Wie Bloomberg berichtet, zeigten sich die EZB-Vertreter während des jährlichen Forums im portugiesischen Sintra deutlich uneinig darüber, ob weitere Zinserhöhungen erforderlich sind, um die Inflation wieder auf das 2%-Ziel zu bringen. Einige Mitglieder sind der Ansicht, dass vom Konflikt ausgelöste Inflationsdruck weiterhin weitergegeben wird und sich eventuell mit Verzögerung in Löhnen, Lebensmittel- und Dienstleistungspreisen niederschlagen könnte.

Andere Vertreter wiederum glauben, dass mit Fortschritten bei den Friedensbemühungen und dem Rückfall der Ölpreise auf das Vorkriegsniveau keine schwerwiegenden Zweitrundeneffekte auftreten dürften. Der deutliche Rückgang der Inflation im Euroraum im Juni stützt diese Einschätzung zusätzlich.

Der Markt rechnet allgemein damit, dass bei der Zinssitzung im Juli kaum mit größeren politischen Anpassungen zu rechnen ist – Stillhalten gilt als Marktkonsens. Mit der bevorstehenden Veröffentlichung weiterer Lohndaten vor der Septembersitzung dürften die Meinungsverschiedenheiten dann jedoch deutlich zunehmen.

Dovish-Lager: Risiko von Zweitrundeneffekten begrenzt, Daten stützen die These der Inflationsabkühlung

Mehrere Vertreter bekundeten öffentlich, dass sie die Inflationsrisiken als abnehmend betrachten. Der Präsident der finnischen Zentralbank, Olli Rehn, sagte in einem Interview, er rechne nicht mit nennenswerten Zweitrundeneffekten, was bedeutet, dass er eine weitere Anhebung nur begrenzt unterstützt.

Der Präsident der österreichischen Zentralbank, Martin Kocher, erklärte in einem weiteren Interview, die Inflationsgefahr „hat in letzter Zeit deutlich nachgelassen – zumindest kurzfristig“.

Sowohl die Ratsmitglieder Primoz Dolenc aus Slowenien als auch Martins Kazaks aus Lettland sagten, im Juli sei keine Maßnahme notwendig; Pierre Wunsch, Präsident der belgischen Zentralbank, deutete sogar an, dass es möglicherweise gar keinen Grund für weitere Zinserhöhungen gebe.

Die Inflationsrate im Euroraum lag im Juni mit 2,8% deutlich unter dem Mai-Wert von 3,2% und ebenfalls unter dem Bloomberg-Konsens von 3%. Auch die Kerninflation – bereinigt um schwankungsanfällige Posten wie Energie und Nahrungsmittel – sowie der stark beachtete Dienstleistungssektor-Inflationsindikator sind zurückgegangen.

Diese Entwicklung resultiert vor allem aus dem Rückgang der Ölpreise auf das Vorkriegsniveau, und liegt damit deutlich unter den Annahmen der EZB bei ihren Prognosen im letzten Monat. Damals war die Prognose, dass die Inflation bis 2027 über dem 2%-Ziel bleiben werde.

Hawkish-Lager: Vor Inflationsrückschlägen warnen

Gleichzeitig bleibt das hawkische Lager um Lane vorsichtig. Als Schlüsselfigur bei der Empfehlungspolitik für den EZB-Rat betonte Lane, dass die Vertreter sich nicht an eine bestimmte Zinsentwicklung binden wollen.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, unterstützte diese Aussage, auch wenn er einräumte, dass der Rückgang der Ölpreise „in der Tat überraschend“ sei.

Der Präsident der Zentralbank von Estland, Ülo Kaasik, meinte in einem Interview, dass zumindest eine weitere Zinserhöhung „vernünftig“ wäre, während der Präsident der griechischen Zentralbank, Yannis Stournaras, in einem weiteren Interview sagte, angesichts der aktuellen Lage sei es „vielleicht besser, vorerst nichts zu ändern“. Diese beiden Positionen repräsentieren die Extreme in der aktuellen Debatte.

EZB-Präsidentin Lagarde: Risiken sind jetzt ausgeglichener

EZB-Präsidentin Lagarde räumte während der abschließenden Podiumsdiskussion des Sintra-Forums ein, dass sich die Lage jüngst rasant verändert habe. An der Diskussion nahm auch der Fed-Chairman Waller teil.

Sie äußerte, angesichts der jüngsten schnellen Entwicklungen seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum „wahrscheinlich ausgeglichener als noch vor einigen Wochen“.

Lohndaten als Variable – Sitzung im September könnte zum entscheidenden Wendepunkt werden

Analysten meinen, dass die aktuellen Inflationsdrucke zwar nachlassen, aber Lohndaten aufgrund ihrer bekanntlich langen Verzögerung noch abgewartet werden müssen, bevor ein klareres Urteil ermöglicht wird. Sollten die zuletzt hohen Inflationsraten bereits zu starken Lohnforderungen geführt haben, könnte der Preisdruck verfestigt und noch länger anhalten.

Simona Delle Chiaie, Chefökonomin für den Euroraum bei Bloomberg Economics, erklärte, dass sich bei einer verbesserten Wirtschaftsperspektive die Lager im EZB-Rat weiter polarisieren könnten, weil die Dringlichkeit für zusätzliche Zinserhöhungen abnimmt. Sie sagte, obwohl die Basisszenarioprognose weiterhin eine letzte Zinserhöhung im laufenden Jahr vorsehe, nähmen die Abwärtsrisiken dafür deutlich zu.

Mit der Veröffentlichung weiterer Wirtschaftsdaten vor der Septembersitzung dürfte die Debatte um den Weg für die Zinspolitik innerhalb der EZB weiter eskalieren, was die Sitzung zu einem entscheidenden Beobachtungspunkt für die Geldpolitik im Euroraum im zweiten Halbjahr machen wird.

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