Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli bei 30 %: Sind die heutigen US-Arbeitsmarktdaten „Treibstoff“ oder „Feuerlöscher“?
Am Donnerstag (2. Juli) während der asiatischen Handelszeit schwankt der US-Dollar-Index auf hohem Niveau und wird aktuell bei etwa 101,35 gehandelt.
Der Markt preist aktuell die Möglichkeit einer Zinserhöhung der Fed im dritten Quartal ein – obwohl die Wahrscheinlichkeit nicht hoch ist, besteht sie tatsächlich.
Der am Donnerstagabend veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht für Juni wird dabei zur entscheidenden Variable, um diese Erwartung zu überprüfen.
Erwartungen an den Arbeitsmarktbericht im Überblick
Die Mehrheit des Marktes erwartet für Juni einen Zuwachs von 114.000 neuen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft, ein durchschnittliches Stundenlohnplus von 0,3% gegenüber dem Vormonat (3,5% gegenüber dem Vorjahr) sowie eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,3%. Seit Jahresbeginn haben sich die Arbeitsmarktberichte insgesamt robust gezeigt – in vier der ersten fünf Monate wurden die Erwartungen übertroffen, mit durchschnittlich rund 82.000 neuen Beschäftigten pro Monat.
Vor diesem Hintergrund erwarten Händler, dass die aktuellen Daten das ruhige Grundmuster fortsetzen: moderates Beschäftigungswachstum, stabile Arbeitslosenquote, schrittweiser Anstieg der Löhne.
Die Inflation bleibt deutlich über dem 2%-Ziel der Fed, und in Verbindung mit der betont restriktiven Haltung von Waller bei seiner ersten FOMC-Sitzung preist der Markt die Möglichkeit einer Zinserhöhung der Fed schon im laufenden Monat ein. Das CME FedWatch Tool zeigt eine Wahrscheinlichkeit von etwa 30% für eine Zinserhöhung im Juli.
Frühindikatoren: Deuten auf Stärke – aber Unsicherheit bleibt hoch
Die Prognose für den diesmonatigen Arbeitsmarktbericht steht vor einer besonderen Herausforderung – der ISM PMI-Dienstleistungsindex wird erst nach der Veröffentlichung der Beschäftigungsdaten erscheinen und kann daher in die Vorwärtsmodelle nicht einfließen. Die folgenden vier Frühindikatoren sind aktuell relevant:
ISM-Beschäftigungskomponente im verarbeitenden Gewerbe: Anstieg von 48,6 auf 49,7, nahe an der Expansionsgrenze, was auf eine geringere Schrumpfung der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe hindeutet. ADP-Arbeitsmarktbericht: Im Juni 98.000 neue Jobs, weniger als die 122.000 im Vormonat. Vier-Wochen-Durchschnitt der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe: Anstieg auf 224.000, höher als die 215.000 im Vormonat.
Kombiniert mit weiteren Daten und internen Modellberechnungen deuten die Frühindikatoren darauf hin, dass der diesmonatige Arbeitsmarktbericht leicht besser als erwartet ausfallen könnte, mit einem Beschäftigungszuwachs von etwa 125.000 bis 175.000. Es sei jedoch betont, dass aufgrund begrenzter Rücklaufquoten bei Umfragen die Prognoseunsicherheit groß ist – und die monatlichen Schwankungen ohnehin schwer exakt vorauszusagen sind. Jede Prognose (auch die der eigenen Institution) sollte daher nicht überinterpretiert werden. Auch andere Teilzahlen wie Lohnwachstum und Arbeitslosenquote werden die Marktreaktion beeinflussen.
Technische Analyse des US-Dollar-Index: Ausbruch bestätigt, Daten bestimmen den nächsten Schritt
Im Tageschart hat der US-Dollar-Index einen mittelfristigen Aufwärtstrend bereits bestätigt und bewegt sich aktuell nahe dem 14-Monats-Hoch. Der technische Ausbruch eröffnet weiteres Aufwärtspotenzial. Sollten die Arbeitsmarktdaten die Erwartungen übertreffen, wird der Markt eine Zinserhöhung im dritten Quartal ernsthaft einpreisen – der US-Dollar-Index könnte seinen Aufwärtstrend fortsetzen, mit dem nächsten Ziel in der Nähe der 102,00 (Hoch von Mai 2025).
Bei schwachen Arbeitsmarktdaten werden Zinserhöhungserwartungen verschoben und der Dollar steht kurzfristig unter Druck.
Fazit: Daten bestimmen die Richtung, drei Szenarien – drei Entwicklungen
Der heutige Arbeitsmarktbericht geht über eine einzelne Kennzahl hinaus – er ist der erste Praxistest für Wallers „datengetriebenes“ Entscheidungsmodell. Drei Szenarien mit jeweils eigener Marktreaktion:
Starke Daten (über 175.000): Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli steigt deutlich, der US-Dollar-Index steuert auf 102,00 zu.
Daten decken sich mit Erwartungen (110.000–150.000): Der Markt hält an der aktuellen Bepreisung fest, der Dollar konsolidiert innerhalb der neuen Handelsspanne.
Schwache Daten (unter 110.000): Zinserwartungen schwinden, der Dollar korrigiert kurzfristig, die mittelfristige Struktur bleibt jedoch intakt.
Ostasiatische Zeitzone, 2. Juli, 11:23 Uhr: US-Dollar-Index bei 101,38.
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